Text-Bild-Ansicht Band 226

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Felle einem oberflächlichen Verwesungsproceß unterwirft. Ersteres Verfahren ist zeitraubend, das andere schadet der Solidität des Leders. Beide Uebelstände fallen bei der Anwendung des Schwefelwasserstoff-Schwefelcalciums fort. Die Enthaarung kann, nachdem die Felle während 24 Stunden in der Lauge gelegen haben, leicht vorgenommen werden, und die Qualität des Leders leidet nicht. Im Gegentheil ist vorauszusehen, daß die Anwendung des Schwefelwasserstoff-Schwefelcalciums einen günstigen Einfluß auf das Leder haben wird; denn man hat die Beobachtung gemacht, daß die Anwendung des Gaskalkes beim Enthaaren die Geschmeidigkeit und Haltbarkeit des Leders erhöht. Dieser Einfluß des Gaskalkes erklärt sich aus seinem Gehalt an CaS, HS; es ist zu erwarten, daß dieser Vortheil noch viel bemerkbarer sein würde, wenn man eine concentrirte Lösung von CaS, HS anwendete.

Thann, im September 1877.

Ueber einige schnell ausführbare Methoden zur Untersuchung der Milch.

Es ist ohne Zweifel eine Folge der zahlreichen Bestrebungen, den Lebensmittelverfälschungen wirksam zu begegnen, daß eine ganze Reihe von Chemikern sich mit der Aufgabe beschäftigt hat, leicht ausführbare Methoden zur Ermittlung der Verfälschungen aufzufinden. Namentlich auf dem Gebiet der Milchanalyse sind in dieser Richtung mehrere Arbeiten zu verzeichnen, welche berufen scheinen, bei der Milchcontrole eine größere Rolle zu spielen.

Ritthausen (Journal für praktische Chemie, 1877 Bd. 15 S. 329) überzeugte sich durch eine Reihe von Versuchen, daß die Eiweißkörper der Milch: Caseïn, Eiweiß und Lactoproteïn (nach Millon) durch Kupferfalz und Kalilauge vollständig gefällt werden, und gründete darauf folgendes Verfahren der Milchanalyse. 20 oder 10cc Milch werden auf das zwanzigfache verdünnt, mit 10 bezieh. 5cc schwefelsaurer Kupferlösung (mit 63g,5 krystallisirtem Kupfervitriol im Liter) versetzt; dann wird sofort so viel Kalilauge hinzugefügt, als grade zur Zersetzung der angewendeten Kupfermenge erforderlich ist. Der Niederschlag setzt sich so rasch ab, daß die überstehende klare Flüssigkeit mittels eines kleinen Tropfhebers durch ein gewogenes Filter filtrirt, der Rückstand durch Decantation in kurzer Zeit ausgewaschen und auf das Filter gebracht werden kann.