Text-Bild-Ansicht Band 226

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(203 bis 254mm), genommen. Da der Vorgarnfaden bereits etwas gedreht ist, so darf die Unterstützung und Führung desselben zwischen Einzieh- und Streckwalzen nicht durch ein Hechelsystem wie bei den Vorbereitungsmaschinen, sondern muß durch Platten und Leitbleche stattfinden, was auch vollkommen genügt, da der Vorgarnfaden hinreichenden Zusammenhang besitzt, um die Streckung ohne Verwirrung der Fasern aushalten zu können. Die von den Streckwalzen gelieferten feinen Bändchen gehen durch die Löcher (Augen) eines Fadenführers nach den Flügeln der Spindeln, laufen durch ein Oehr an dem untern Ende derselben auf die lose über den Spindeln steckenden Spulen, wobei sie ihre bleibende, feste Drehung erhalten, um sich dann auf letztere, welche gegen die Spindeln entsprechend der gelieferten Fadenlänge zurückbleiben, aufzuwickeln. Die Spindeln stehen bei den Feinspinnmaschinen neben einander in einer Reihe, und nennt man die Entfernung je zweier von einander die Spindeltheilung (pitch). Die Größe derselben gibt die Verwendbarkeit der Maschinen zu feineren oder gröberen Garnen an. Die Maschinen werden meist zweiseitig, mit je einer Reihe Spindeln, gebaut; doch wird stets jede Seite vollständig getrennt von der andern angetrieben, wodurch es möglich ist, auf jeder Seite verschiedene Garnnummern zu spinnen.

Die lose über den Spindeln steckenden Spulen ruhen sämmtlich auf einer Bank, deren Hubzahl für eine bestimmte Einstellung stets gleich bleibt. Die Umdrehung der Spulen erfolgt allein durch den sich bildenden Garnfaden, welcher durch den Widerstand, den erstere vermöge ihrer Reibung an der Spindel und der Spulenbank der Drehung entgegensetzen, angespannt wird. Diese Fadenspannung darf aber weder zu klein, noch zu groß werden, da im erstern Falle ein Herausspringen des Fadens aus seiner Führung durch Ueberwiegen der ihm von dem rotirenden Flügel ertheilten Centrifugalkraft und im andern Falle ein Abreißen des Fadens eintreten kann. 'Weil nun einerseits die Reibungswiderstände der einzelnen Spulen nie genau gleich groß sein werden und sich dieselben anderseits mit zunehmender Wicklung ändern, so ist eine Bremsvorrichtung für jede Spule nothwendig, welche eine Vermehrung oder Verminderung der Spulenreibung und der davon abhängigen Fadenspannung erlaubt. Bei richtiger Benutzung dieser Bremsvorrichtung wird daher die Umdrehungszahl der Spulen stets im richtigen Verhältniß zur gesponnenen Fadenlänge stehen, und die Aufwicklung für alle Spulen in gleicher Weise stattfinden. Die Geschwindigkeit der Hebung und Senkung der Spulen ändert sich, wie erwähnt, mit zunehmender Aufwicklung nicht und muß deshalb Mittlern Verhältnissen