Text-Bild-Ansicht Band 226

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mit einer Spindelbank gebaut, hat also, außer dem horizontalen Streckwerk mit Hechelwerk, Spindeln in zwei versetzten Reihen und selbstthätig bewegte Spulen. Das Hechelwerk ist natürlich feiner als bei einer Spindelbank, die Spulen sind von geringeren Dimensionen und die Betriebsanordnungen, der nöthigen schärfern Drehung des Feingarnes entsprechend, etwas abweichend. Beide Maschinen haben ihr Vor- und Nachtheile; doch findet man am meisten die letzte Art angewendet, welche aber eine sehr gute Vorbereitung des Rohmaterials auf zwei Streckmaschinen nothwendig macht, damit sie leistungsfähig wird; sie liefert dann allerdings ein schöneres Garn als die erste Art. Ganz grobe Garne, etwa unter Nr. 3/4, spinnt man direct auf einer Spindelbank fertig, d.h. man versieht die bis zur gewünschten Feinheit ausgezogenen Bänder sofort mit der bleibenden, festen Drehung.

Das Zwirnen bezweckt die Bildung eines dickern Fadens durch Zusammenlegen und Zusammendrehen mehrerer einzelner Garnfäden auf der Zwirnmaschine, dem Zwirnstuhl (twisting frame); Man nennt den erzeugten Faden Zwirn (twist) und unterscheidet denselben, je nach der Zahl der zu seiner Bildung verwendeten einzelnen Fäden, in zwei-, drei- und mehrdrähtig. Ein Zwirnfaden zeigt stets größere Gleichmäßigkeit und Haltbarkeit als ein einzelner Garnfaden derselben Stärke, weil durch die Vereinigung mehrerer einzelner Fäden deren Ungleichmäßigkeit ausgeglichen und anderseits durch deren Drehung ein größerer Zusammenhang einzelner Faserpartien bereits vorhanden ist. Hieraus ergibt sich auch, daß ein Zwirnfaden von bestimmter Dicke um so gleichmäßiger und bis zu einem gewissen Grade auch um so fester sein wird, je größer die Anzahl der zu seiner Bildung nöthigen einzelnen Garnfäden war. Der meiste erzeugte Zwirn ist zwei- und selten mehr als vierdrähtig.

Das Zwirnen geschieht in den Spinnereien stets direct von den Feinspinnspulen, welche zu dem Zweck über eiserne, in einem Gestell befestigte Stifte geschoben werden, damit sie sich leicht drehen können. Die zu vereinigenden Fäden gehen durch eine gemeinschaftliche Fadenführeröse, dann nach ein Paar Walzen, welche die vereinigten Fäden nach den mit Flügeln und Spulen versehenen Spindeln abliefern, durch deren Umdrehung das Vereinigen der Fäden, das Zwirnen, erfolgt. Damit aber hierbei die Drehungen der einzelnen Garnfäden nicht wieder aufgehen, geschieht die Zwirndrehung entgegengesetzt der den einzelnen Fäden auf dem Spinnstuhle ertheilten Drehung. Die Zwirnstühle stimmen in ihrer Construction bis auf das Streckwerk ganz mit den Spinnstühlen überein. An Stelle des Streckwerkes ist stets nur ein