Text-Bild-Ansicht Band 226

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die Gewichtszunahme durch die Drehungen – die Verluste durch Wasserverdunstung und Abfall mehr oder weniger überwiegt, und deshalb pflegt man, je nach dem Grade der Garndrehung, den Verzug auf der Feinspinnmaschine nach der Erfahrung etwas größer zu nehmen, als die Rechnung ergibt, um diese Gewichtszunahme aufzuheben. Im Uebrigen ist es nothwendig, bei jeder Veränderung im Spinnplan – bestehe dieselbe auch nur in der Verarbeitung einer andern Marke Rohjute sofort eine genaue Probe des fertigen Garnes abhaspeln und deren Gewicht prüfen zu lassen, damit etwaige nothwendige Aenderungen in den Verzügen bewirkt werden können. In jeder gut verwalteten Spinnerei wird überhaupt jede Weife Garn abgewogen und bei kleineren Differenzen eine Vermischung von etwas zu schwerem mit etwas zu leichtem Garne vorgenommen. Bei den stärkern Jutegarnen lassen sich aber bei aller Aufmerksamkeit Differenzen im Bündelgewicht selbst von 2 bis 3k auf die Dauer nicht vermeiden, was wohl theilweise seinen Grund in der großen Wasseranziehung der Faser hat.

Die Drehungen, welche dem Vor- und dem Feingarn ertheilt werden, um das Zusammenhalten der Fasern an einander zu erreichen, sind von der Quadratwurzel aus der Garnnummer und außerdem noch von der Art der Garne und der Beschaffenheit des Rohmaterials abhängig. Zwei Fäden von verschiedenem Durchmesser einer und derselben Art, aus demselben Rohmaterial, werden gleich stark gedreht sein, wenn erstere sich umgekehrt verhalten wie die Drehungen. Da sich aber die Durchmesser wie die Quadratwurzeln aus dem Querschnitt, und diese bei der englischen Numerirung sich umgekehrt wie die Fadennummern, so müssen sich auch die Fadendurchmesser umgekehrt wie die Quadratwurzeln aus den Fadennummern und, wegen der ersten Beziehung, die Drehungen wie die Qudratwurzeln aus den Fadennummern verhalten.

Bezeichnet man daher zwei Garne derselben Art mit den Nummern Ne und Ne', und ihre Drehungen mit D und D', so folgt die Proportion D/D' = √N e/√N e', und hieraus D = (D'/√N e') √N e. Der Quotient D'/√N e' ist für eine bestimmte Garnsorte constant, und kann daher im Allgemeinen mit α bezeichnet werden, so daß sich die Drehungen ergeben aus der Formel D = αNe oder auch für die schottische Garnnummer aus D = α₁√Ns.

Je fester und kräftiger das zu einer Garnsorte verwendete Rohmaterial ist, und je länger die einzelnen Fasern in demselben sind, desto