Text-Bild-Ansicht Band 228

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wie die Grundmasse zeigten. Bei den ausschlieſslich mit Alkali geschmolzenen Gläsern dagegen liegt die Sache anders; denn an der Stelle des Kalkglases hat man hier ein sowohl durch Säuren als auch durch Wasser aufschlieſsbares Product vor sich.

Eine mäſsig fein zerriebene Probe des Glases wurde mit verdünnter Salzsäure längere Zeit digerirt und darauf mit kohlensaurem Natrium behandelt, um die eventuell ausgeschiedene, lösliche, also gallertartige Kieselsäure hin wegzunehmen. Nach 3maliger Wiederholung dieser Operationen blieb ein Rückstand von krystallinischer Beschaffenheit, im Ansehen und seinem ganzen Verhalten nach durchaus verschieden von blosem gepulverten Glase. Der so von der aufschlieſsbaren Grundmasse frei gemachte, auf einem Filter gesammelte und gut ausgewaschene Rückstand wurde durch Aufschlieſsung mit der 4 fachen Menge an kohlensaurem Natron-Kali der Analyse unterworfen. Nach dem Aufschlieſsen wurde die Kieselerde wie üblich durch Eindampfen mit Salzsäure, Erhitzen auf 110° u.s.w. bestimmt: 1g,4055 Substanz lieferten 1g,3990 Kieselsäure, demnach 99,53 Proc.

Es ist demnach der gebliebene Rückstand, bestehend aus den im Glase befindlichen Krystallen, reine Kieselsäure und damit thatsächlich festgestellt, daſs Kieselerde, im Glase gelöst, aus diesem durch langsames Erkalten im freien Zustande wieder her herauskrystallisiren kann. Diese Thatsache wird noch gestützt durch das eigenthümliche Verhalten, welches dem obigen sonst gleich zusammengesetzte Gläser im amorphen (nicht entglasten Zustande) zeigen. Die ganz gleiche Mischung wie c – nämlich 200 Th. Sand und 50 Th. kohlensaures Kalium – wurde gut verschmolzen, aber nicht der langsamen, sondern einer plötzlichen Abkühlung unterworfen. Dieses Product verhält sich wesentlich anders. Es zieht aus der Luft kein Wasser und keine Kohlensäure an, es verändert sich nicht. Es hinterlieſs nach dem Aufschlieſsen mit Salzsäure keine ähnlichen Rückstände, wie das langsam erkaltete Glas.

Anderes war auch kaum zu erwarten; im ersteren Falle, wo ein groſser Theil der Kieselsäure auskrystallisirt ist, kann das dadurch basisch gewordene Wasserglas, weil leichter löslich, entfernt werden, während im letzteren Falle das hochsaure Glas durch den conservirenden Einfluſs der Kieselsäure unangegriffen bleibt.

Es war von Interesse, bei dem der Entglasung unterworfen gewesenen Glase die Menge der auskrystallisirenden Kieselerde im Verhältniſs zum Gesammtgehalt des Glases an diesem Körper kennen zu lernen. Die Bestimmung ergab Nachstehendes:

a) 1g,181 des langsam abgekühlten Glases lieferten 0g,9935 Kieselsäure = 84,12 Proc. Das Glas besteht also aus 84,12 SiO2 und 15,88 KaO.

b) 1g,698 Substanz lieferten, in der oben beschriebenen Weise mit Salzsäure und kohlensaurem Natrium behandelt, 0g,951 kristallinischen Rückstand