Text-Bild-Ansicht Band 229

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dieser so lange besprochenen Frage über den Einfluss des Füllungsgrades und der Drosselung durch Regulirungsventile oder Klappen gegeben. Von allen Anordnungen mit selbstthätig variabler Expansion bietet keine die Einfachheit und Solidität der Drosselklappe.“

Referent freut sich über dieses Ergebniss, weil es seinen immer festgehaltenen, schon vielfach angegriffenen Anschauungen vollkommen entspricht.

Dass der Dampfverbrauch für die indicirte Pferdestärke bei der starken Drosselung grösser ausfällt, obwohl die Vorderdampfspannung im grossen Cylinder von 0,340 auf 0k,214 auf 1qc8) fällt, hat seinen Grund darin, dass natürlicher Weise die Vorderdampfarbeit in Procent ausgedrückt desto grösser wird, je kleiner die absolute Arbeit ist; sie beträgt bei 346e 19,6 Proc., bei 180e dagegen 22,9 Proc. der absoluten Arbeit, was bei einer Woolf'schen Maschine mit Corliss-Steuerung am kleinen Cylinder ebenfalls der Fall wäre.

Es ist durchaus nichts Neues, sondern eine längst bekannte und von Vielen ausgesprochene Wahrheit, dass die variable Expansion vor der Drosselung nur dann einen Vorzug hat, wenn man von starker Füllung ausgeht, nicht aber, wenn man von schwacher Füllung wie bei einer Corliss-Maschine herab geht. Ein ökonomischer Vorzug kann daher der selbstthätig variablen Steuerung nicht zuerkannt werden, ausser wenn die Kraft stark variabel ist und die Maschine dennoch in der Regel allein, ohne Beaufsichtigung durch einen Wärter, laufen soll.

Nach den vorliegenden Resultaten würde ein hinreichend empfindlicher, auf eine Drosselklappe wirkender Regulator auch Kraftbedarfsänderungen im Verhältniss 100 : 50 ebenso ökonomisch besorgen wie die Corliss-Maschine, jedoch nur dann, wenn die Maschine einen Dampfmantel, beziehungsweise an beiden Cylindern Dampfmäntel besitzt. Nur dadurch wird der Vortheil der variablen Expansion zu nichte gemacht, weil bei dem stärker gedrosselten Dampf der Vortheil des Dampfmantels ausgiebiger ist, und dies ist es, worauf Referent seit langem das Schwergewicht legte.9) Von dem Vorurtheil, dass nur der kleine und nicht auch der grosse Cylinder zu heizen sei, bin ich auf Grund von G. A. Hirn'schen und Otto Müller'schen Diagrammen abgekommen.

Wäre z.B. bei der in Rede stehenden Maschine der grosse Cylinder

8)

1k auf 1qc = 14,223 Pfund engl. auf 1 Quadratzoll engl.
= 13,681 „ preuss. „ „ „ preuss.
= 12,388 „ Wiener „ „ „ Wiener
= 735mm,48 Quecksilber
= 28,957 Zoll engl. Quecksilber
= 28,121 Zoll preuss. „
= 27,922 Zoll öster. „

9)

Vgl. G. Schmidt: Theorie der Dampfmaschinen (Freiberg 1861), S. 235. Ueber Woolf'sche Dampfmaschinen in den Mittheilungen des Architecten- und Ingenieurvereines in Böhmen, 1873 S. 7. Deutsche Industriezeitung, 1873 S. 282.