Text-Bild-Ansicht Band 230

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entspringenden Quellen sind im Wermingserthale in grosser Anzahl gefasst, die Kalkquellen, welche wegen ihrer Reichhaltigkeit und Ausdauer in der trockenen Jahreszeit vorzüglich zur Wassergewinnung geeignet sind, werden in dem zweiten Quellengebiete durch einen 1100m langen Stollen, dem Rudolfstollen, gelöst und abgeleitet. Die Quellen liefern täglich 2000cbm. Wie nachfolgende Analysen zeigen, gehört das Wasser mit zu den besten der in Deutschland zur Versorgung verwendeten. (Vgl. F. Fischer: Chemische Technologie des Wassers, S. 102.)



Bestandtheile (mg in 1l)
Kalkquellen Schieferquelle
Grosse
Quelle im
südlichen
Feldorte
Quelle
im Gegenorte
des Rudolf-
stollens
Hauptquelle
im
Wermingser-
thale
Kalk
Magnesia
Natron
Eisenoxyd
Schwefelsäure
Kiesesäure
Chlor
Gebundene Kohlensäure
35,61
4,75
5,43
0,47
5,15
6,34
Spur
33,20
49,28
12,20
3,14
Spur
5,15
5,00
Spur
51,49
24,86
6,05
2,21
Spur
6,80
6,00
Spur
24,01
Gesammtrückstand 90,95 126,26 69,93
Halbgebundene Kohlensäure 33,20 51,49 24,01
Freie Kohlensäure 0 0 2,90
Salpetersäure
Ammoniak
Organische Substanz

Nicht nachweisbar
Temperatur 8,50°

Zur Kenntniss der Mineralwässer.

Garrigou (Scientific American, 1878 Bd. 39 S. 25) glaubt die Beobachtung gemacht zu haben, dass die in Mineralwässern gelösten Salze andere Eigenschaften besitzen als die in gewöhnlichem Wasser gelösten.

Ueber das Umschlagen des Weines.

Nach A. Gautier (Comptes rendus, 1878 Bd. 86 S. 1339) zeigt sich diese verderbliche Krankheit dadurch, dass der Wein nach dem Abziehen auf Flaschen sich bald trübt, mit irisirenden Häutchen bedeckt und den Farbstoff als braunen Niederschlag abscheidet, so dass eine gelblich braun gefärbte, säuerlich bitter schmeckende Flüssigkeit zurück bleibt. Bei der Untersuchung eines solchen umgeschlagenen Weines zeigte sich der Alkoholgehalt unveränderlich, der Weinstein war aber völlig verschwunden; statt dessen enthielt 1l Flüssigkeit 2g,04 Essigsäure, während gesunder Wein nur 0,2 bis 0g,45 flüchtige Säuren enthält, Ausserdem wurde Tartronsäure nachgewiesen und so viel Milchsäure abgeschieden, dass daraus 1g,006 krystallisirtes Zinklactat erhalten wurde.

Die Zersetzung des Weinsteines in saures tartronsaures Kalium und Essigsäure geht voraussichtlich nach folgender Gleichung vor sich: 2KC4H5O6 = 2KC3H3O5 + C2H4O2, der Zerfall der Weinsäure in Tartronsäure und Milchsäure in folgender Weise: 3C4H6O6 = 3C3H4O5 + C3H6O3. Ein Mittel gegen diese Krankheit ist noch nicht gefunden. Die betreffenden Krankheitserreger bilden feine Fäden von 0mm,001 Durchmesser, welche Pasteur (Études sur le vin, 1878 Taf. 10) als „filaments de la tourne“ beschreibt.