Text-Bild-Ansicht Band 221

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nicht sagen, ob sich ein Kalkhydrat zur Darstellung von Chlorkalk eignet; die Art und Weise der Bildung und der ganze Verlauf des Processes jedoch zeigt bei einiger Uebung, ob man mit einem geeigneten Hydrat operirt. Selbstverständlich ist hier von der technischen Bereitung des Chlorkalkes im Großen und den dabei auftretenden Erscheinungen nicht die Rede.

Bei der Darstellung der von mir benützten Chlorkalke wurde mit Hilfe eines Gabelrohres, welches den Ueberschuß des Chlors fortleitete, dafür gesorgt, daß das Chlorgas äußerst langsam zu dem gekühlten Kalkhydrate treten konnte, wodurch jede Erwärmung und die dadurch bedingte Zersetzung oder Umsetzung des gebildeten Chlorkalkes vermieden wurde. Operirt man auf diese Weise, so sieht man an der Eintrittstelle des Chlors Wassertröpfchen, wenngleich in sehr geringer Menge, auftreten, ein Beweis dafür, daß bei der Umwandlung des vollständig trockenen Kalkhydrates in Chlorkalk Wasser gebildet wird. In dem Maße, als das Chlor zutritt, wird es von dem Kalkhydrat absorbirt, anfangs ohne sichtbare Veränderung des letztern. Nach längerm Durchleiten schwillt das Kalkhydrat an und bekommt statt des pulverigen ein krümeliges, lockeres Ansehen. Wenn auf diese Weise unter öfterm Umschütteln der Masse der Proceß mehrere Stunden gedauert hat, dann tritt plötzlich der Sättigungspunkt ein, daran zu erkennen, daß das Absorptionsrohr sich mit Chlorgas füllt, welches nun nicht weiter von dem Kalkhydrate aufgenommen wird. Bei gut und vorsichtig geleiteter Operation ist sämmtlich aufgenommenes Chlor in dem durch meine Ansicht angedeuteten Sinne als wirksames Chlor in dem Chlorkalke enthalten, während bei zu raschem Zuführen des Chlors, bei welchem sich die Masse erhitzt, das wirksame Chlor um viele Procente zurückbleibt. – So zeigte z.B. ein schnell bereiteter Chlorkalk, der 39,2 Proc. Gesammtchlor enthielt, nur 35 Proc. wirksames Chlor.

g,772 Kalkhydrat nahmen 0g,494 Chlor auf unter Bildung von 1g,266 Chlorkalk. Der Chlorgehalt betrug demnach 39,02 Proc. Der gebildete Chlorkalk gab mit arseniger Säure filtrirt 39,06 Proc. wirksames Chlor; 100 Kalkhydrat gaben demnach 163,99 Chlorkalk.

g,965 Kalkhydrat gaben 1g,592 Chlorkalk = 39,37 Proc. aufgenommenes Chlor. Wirksames Chlor wurde gefunden 38,91 Proc.; 100 Kalkhydrat daher = 164,9 Chlorkalk.

4g,166 Kalkhydrat gaben 6g,844 Chlorkalk = 39,12 Proc. aufgenommenes Chlor. Gehalt an wirksamem Chlor = 38,85 Proc.; 100 Kalkhydrat daher = 164,28 Chlorkalk.

Aus diesen Versuchen, denen ich noch eine ganze Reihe gleichlautender an die Seite stellen könnte, geht unzweideutig die Richtigkeit der eben ausgesprochenen Ansicht hervor. Auf der andern Seite kann diese