Text-Bild-Ansicht Band 221

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daß die Fortschritte der Wissenschaft möglichst zum Nutzen dieser Fabrikation ausgebeutet werden.

Es gereicht mir dabei zum besondern Vergnügen, zu constatiren, daß unsere deutschen Landsleute, die Gebrüder Wahl in Chicago seit Jahren Nichts unversucht gelassen haben, ihre Fabrik, in welchen der Verfasser beinahe zwei Jahre (1871 bis 1873) als Chemiker thätig war, im Einklang mit den neuesten Forschungen der Wissenschaft zu führen. Es ist dem Eifer der Genannten gelungen, ungeachtet zweier verheerenden Feuersbrünfte ein Etablissement zu errichten, welches zur Ehre des deutschen Namens eines der ersten und bedeutendsten im Lande ist. Die Ausdehnung der angezogenen Fabriken läßt sich annähernd an den nöthigen Arbeitskräften ermessen, die in denselben von 50 bis 200 und mehr Arbeitern variiren.

Gintl sagt in seinem Bericht: „Der Einwand, daß bei Anwendung gespannter Dämpfe die Qualität des resultirenden Leimes leide, hat sich als völlig haltlos erwiesen.“

Ich muß dagegen die Richtigkeit dieser Behauptung auf das allerbestimmteste aufrecht erhalten. Jede Spannung von Dämpfen beeinträchtigt die Qualität des zu erzielenden Productes; je höher der Druck, um so geringer ist die Qualität des Leimes, welche Verschlechterung sich mit der Erhöhung des Druckes bis zur vollständigen Vernichtung der Gelatine steigert. Dasselbe Material, welches bei einem Druck von 10 bis 20 Pfd. pro Quadratzoll (0,7 bis 1k,4 pro 1qc) ein noch leidlich gutes Product liefern kann, wird bei einem Druck von 30 und mehr Pfund (über 2at) jn derselben Kochzeit ein ganz weiches, selbst bei 0° nicht mehr gelatinirendes Product entstehen lassen. Während in den Leimfabriken das Material, mit Sorgfalt dem geringsten zulässigen Druck ausgesetzt, eine werthvolle Suppe für Leimgewinnung liefert, entsteht in den Schlächtereien, welche dasselbe Material einzig für Fett ausbeuten, eine Brühe, welche unter doppeltem und dreifachem Druck erzeugt, nicht die geringste Fähigkeit besitzt, eine Gelatine zu geben. Ich hatte in Chicago Veranlassung, die Brühen der Schlachthäuser sorgfältiger Prüfung zu unterwerfen (1873 208 386). Ich füge hinzu, daß trotz der entgegenstehenden Ansicht von Siebel (1873 210 79) ich die Richtigkeit meiner aufgestellten Behauptung, diese Brühen als Ammoniakquellen zu benützen, aufrecht erhalte, und daß ich gelegentlich eingehend darauf zurückkommen werde.

Die Anwendung geschlossener Kessel ist durch allerhand außer dem Bereich der eigentlichen Fabrikation liegenden Factoren geboten. Der Nachtheil, welcher durch die Einführung der eisernen geschlossenen Kessel