Text-Bild-Ansicht Band 221

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entstand, ist in den meisten großen Fabriken durch die Einführung der Vacuumpfannen zu paralysiren gesucht. Es ist eine unumstößliche Thatsache, daß je höher die Temperatur, unter welcher eine Brühe erzeugt, je länger die Einwirkung der Temperatur dauert, eine um so geringere Qualität des Leimes erzeugt wird, gleichviel ob nun die Brühen in der Zeit der Extraction aus dem Rohmaterial oder in der Zeit der Eindampfung diesem Einfluß ausgesetzt sind. Es existirt kaum eine einzige Leimfabrik von irgend welcher Bedeutung, die sich nicht einer Vacuumpfanne bedient; es nimmt mich daher Wunder, daß in dem obengenannten Bericht die Einführung des Siedens im Vacuum gar nicht erwähnt ist, ja daß selbst in neueren technisch-chemischen Werken, z.B. Fleck's Abhandlung über Verwerthung thierischer Abfallstoffe, Nichts davon erwähnt ist.

Wenn schließlich der Berichterstatter die Leimfabriken als gesundheitsgefährliche Anstalten ansieht, so läßt das nur auf einen sehr niedern Stand der ins Auge gefaßten Industrie schließen. Der Besuch der Mammuth-Leimsiedereien der Vereinigten Staaten würde in dieser Hinsicht sofort eine bessere Ansicht über diesen Industriezweig gewähren. Eine Leimsiederei, richtig eingerichtet und geleitet, belästigt die Nachbarschaft nicht mehr als eine Hefefabrik oder Stärkefabrik.

Das Rohmaterial, welches in den Vereinigten Staaten für Leim verarbeitet wird, zerfällt in zwei Hauptclassen: I) Abfälle der Schlächtereien, II) Abfälle der Gerbereien.

Die Gewinnung des Knochenleimes mittels Herstellung der Gelatine durch Extraction der mineralischen Bestandtheile der Knochen mittels Salzsäure ist wegen des hohen Preises der letztern gänzlich ausgeschlossen, oder nur durch besonders günstige Localverhältnisse in ganz geringem Umfang möglich.

I) Die Verarbeitung der Abfälle der Schlachthäuser. In den großen Städten dieses Continentes ist überall die Schlächterei in großartige Etablissements zusammengedrängt, so daß die Beziehung des Materials sehr erleichtert wird. In den Handelsplätzen des Westens finden sich nun aber auch neben den Schlächtereien für den Bedarf der Einwohner sehr ausgedehnte Plätze für den Exporthandel. Das Rohmaterial häuft sich in den Wintermonaten ganz enorm an; es werden, wie die Handelsberichte ausweisen, jährlich allein mehr als eine Million Schweine für den Export geschlachtet.

Nach seinem Leimgehalt darf man das Schlachthausmaterial ordnen, wie folgt: 1) Ochsenfüße, 2) Schweinfüße, 3) Kalb- und Schaffüße, 4) grüne Knochen, 5) Ochsen- und Schweinsköpfe.