Text-Bild-Ansicht Band 221

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Dieses Material ist soviel als möglich von Blut zu befreien. Je kleiner die Theile sind, um so leichter wird sich dieser Zweck erreichen lassen. Deshalb findet man denn auch in den größern Fabriken Maschinen zum Zerreißen der Fleischtheile und Brechen der Knochen.

Der vortheilhafteste, mir bekannte Knochenbrecher ist der von Baugh und Sohn in Philadelphia patentirte (vgl. *1869 191 186). Ein Knochenbrecher größter Construction ist im Stande, täglich 20t Knochen in Stücke von der Größe eines Daumengliedes zu zerbrechen. Wenn das Material die Brechmaschine passirt hat, wird es am vortheilhaftesten in geeigneten Waschmühlen von Schmutz und Blut befreit.

Nach gehöriger Waschung wurde das Material bisher als fertig zum Versieden angesehen. Ich habe nun hier einen Bleichungsproceß in den Fabrikationsgang eingeschaltet, mit welchem ich in dem Geschäft von G. Upton in Boston für diese billigen Sorten Leim einen durchschlagenden Erfolg errungen habe. Bereits im J. 1871 wurden von mir in der Fabrik von Gebrüder Wahl in Chicago auf Anregung des Hrn. Ch. Wahl umfassende Versuche mit schwefliger Säure angestellt und dieselbe in gesättigter Lösung während des Koch- und Verdampfungsprocesses mit Vortheil benützt. In der von mir erbauten Fabrik der St. Joseph-Actiengesellschaft benützte ich die schweflige Säure in ausgedehntem Maße, konnte aber leider in Ermanglung einer Vacuumpfanne nicht den vollen Nutzen davon ziehen. Erst in meiner jetzigen Stellung versuchte ich den Weg einzuschlagen, welcher sich sofort als der einzig richtige und erfolgreichste zu erkennen gab.

Nach Entfernung des Blutes behandle ich das Material in geeigneten Holzgefäßen, die möglichst bedeckt sein sollen, mit einer gesättigten Lösung von schwefliger Säure. Die Dauer der Einwirkung ist je nach der Beschaffenheit des Materials sehr verschieden und ist es allein durch Erfahrung möglich, für dasselbe je nach seiner Beschaffenheit und nach den Verhältnissen der Jahreszeit das rechte Maß einzuhalten. Der Erfolg ist ein doppelter. Das Material liefert eine klare, beinahe wasserhelle Brühe, welche in der Vacuumpfanne eingedampft, in Bezug auf Helligkeit und Glanz dem Leim aus dem besten Hautmaterial in Nichts nachsteht.1) Das Fett der gelblichen Knochen ist bedeutend heller und hat nicht den unangenehmen Geruch, welchen das Knochenfett sonst stets zeigt, so daß es im Handel mit 1/4 Cent mehr bezahlt wird als das nach der gewöhnlichen Methode erzeugte. Es ist leicht, zu erkennen, daß die Kosten

1)

Proben dieses Knochenleimes hat die Bostoner Firma Gebrüder Upton in Philadelphia ausgestellt.