Text-Bild-Ansicht Band 221

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sich die großen Geschäfte so viel als möglich vom Wetter unabhängig. Selbstredend benützt man günstige Luft so viel als möglich, als den billigsten Trockner; indessen sind Geschäfte, deren Hauptproductionsperiode an die Zeit der Massenschlächterei gebunden ist, absolut gezwungen, großartige Trockenanlagen zu errichten.

In dem Wahl'schen Etablissement wurden in den Jahren 1871/72 große Steintrockenhäuser aufgeführt, die durch doppelte Fenster und Thüren fast hermetisch gegen die Einwirkung der äußern Luft abgeschlossen waren. Die Lufterneuerung in denselben wurde durch einen Riesenventilator hergestellt und von passenden Zügen im Haus selbst regulirt. Die Anlage erlaubte während des ganzen Winters zu arbeiten, ohne jemals gefrorene Leime machen zu müssen.

Ich bin fest überzeugt, daß die neuen Anlagen noch vollkommener sein werden, als sie vor dem letzten Brande waren, und daß die genannten Herren bereit sein werden, ihre Erfahrungen in dieser Hinsicht Fachgenossen mitzutheilen. Auch die großen Etablissements im Osten arbeiten mit ähnlichen Einrichtungen.

Ehe ich zur Besprechung des bessern Rohmaterials übergehe, habe ich noch Folgendes zu erwähnen. Die Entfettung des Leimmaterials mittels Benzin ist geeignet, eine vollständige Revolution in dem Gange der bisherigen Fabrikation hervorzubringen. Ein Verfahren, dessen Einzelheiten mir bis jetzt noch nicht bekannt sind, ist patentirt für Amerika und befindet sich in den Händen von Baeder Adams und Comp. in Philadelphia. Ich habe zahlreiche Versuche über die Extraction mittels Benzin angestellt und bin von der eben ausgesprochenen Ansicht definitiv überzeugt worden.

Das Geschäft, in welchem ich im Augenblick thätig bin, ist durch Abschluß eines Contractes mit dem großen Stadtschlachthaus genöthigt, täglich 1500 bis 2000 Gallonen Leimsuppe aufzuarbeiten, zu welcher das Rohmaterial sich unserer Controle entzieht. Dasselbe ist behaftet mit Schmutz und Blut, wenn es in den Kessel kommt, und liefert deshalb eine Brühe, die bisher beim Eindampfen ein braunes, unscheinbares Product geliefert hat. Ich habe nun diese Suppen direct in der Vacuumpfanne je nach der Färbung mit Lösungen schwefliger Säure gemischt im Verhältniß von 10 bis 50 Proc. des Volums. Auch in diesem Fall hat sich die schweflige Säure ganz ausgezeichnet bewährt und bewirkt, daß ein helles, klares und beinahe geruchloses Material erzielt wird. Der Leim zeigt nach der Behandlung im Vacuum nicht die geringste Reaction freier Säure.