Text-Bild-Ansicht Band 221

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Senders, welcher in der Praxis zur Verwendung gelangte. Der Ketten- und Dosen-Schnellschriftgeber (und der Schnelldrucker) wurden am 12. December (12. Juni) 1873 für Dr. Werner Siemens und Friedr. v. Hefner-Alteneck in England patentirt. Im J. 1873 erfand Dr. Werner Siemens weiter den Schnelldrucker, welcher das Telegramm in Typenschrift wiedergibt und als Sender einen dem entsprechend abgeänderten Dosenschriftgeber besitzt. Darauf wurde bei Siemens und Halske der in dasselbe System gehörige, ebenfalls Typenschrift liefernde Börsendrucker und ein anderer vereinfachter Typendrucker ausgeführt, welche beide nur mit einer Leitung arbeiten. Der Börsendrucker enthält eine Claviatur mit nur 28 Tasten in 4 Reihen, jedoch zwei Typenräder mit je 28 Typen, von denen das eine die Buchstaben, das andere die Ziffern und sonstigen Schriftzeichen druckt, und zwar erfolgt das Drucken durch einen rein mechanischen (nicht elektrischen) Vorgang während des kurzen Stillstehens der Typenräder nach deren Einstellung.

1) Der Dosenschriftgeber ist in Figur 14 [b/2] perspectivisch abgebildet. Die Tastatur desselben enthält 49 Tasten in 7 treppenförmig über einander liegenden Reihen, und zwar sind die Buchstaben auf die Tasten so vertheilt, daß der Telegraphist bei ungezwungener Lage seiner beiden Hände, deren kleine Finger in die Löcher B₁ und B₂ zu legen sind, die am häufigsten vorkommenden Buchstaben am bequemsten zu greifen vermag. Der ganze Apparat (ohne das auf den Stab N aufgesteckte Lesepult LL) ist nur 21cm breit, 33cm lang und 29cm hoch, die Tastatur je 20cm lang und breit. Er läßt sich ebensowohl für gleichgerichtete Ströme wie für Wechselströme, mit oder ohne Entladung der Leitung zur Erde, einrichten, je nachdem die Beschaffenheit der Linie, für welche er bestimmt ist, das eine oder das andere wünschen läßt. Im ersten Falle ist als Empfänger jeder gute Farbschreiber verwendbar, und ließe sich der Dosenschriftgeber in einer damit besetzten Linie ohne weiteres an Stelle des Morsetasters einschalten. Auch zum Gegensprechen läßt sich der Dosenschriftgeber verwenden, was Siemens und Halske seit dem Herbste 1874 unter Benützung von Wechselströmen versuchten.

Wie die Tastatur zur Vorbereitung des abzusendenden Telegrammes benützt wird, läßt sich am deutlichsten aus dem Durchschnitte Figur 15 sehen. Der Haupttheil, eine auf eine horizontale Achse m aufgesteckte cylindrische Dose D, ist an seinem ganzen Umfange mit dicht neben einander liegenden Stiften s besetzt, welche sich mit einiger Reibung in ihrer Längsrichtung, d.h. parallel zur Dosenachse m ein wenig verschieben lassen. Aus diesen Stiften s werden nun die zur automatischen