Text-Bild-Ansicht Band 220

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und geschlämmt, um den größten Theil von Eisen, Gangart etc. zu entfernen. Der Staub, der jetzt noch 2 bis 3 Proc. vom ursprünglichen Erz beträgt, wird mit gleichen Theilen eines Gemisches aus Borax und Salpeter geschmolzen, bis die Masse ruhig fließt. Nach Behandlung der zerriebenen Schmelze mit Salzsäure und Wasser bleiben vorzugsweise die Platinmetalle zurück. Dieselben werden mit der doppelten Menge Zink im Graphittiegel legirt, die erhaltene Legirung wird zerstoßen und gemahlen und durch Salzsäure vom Zink befreit. In Röhren aus hessischem Thon mit gläsernen Vorlagen wird die Masse durch Chlor aufgeschlossen. Man erhält auf diese Weise, neben einer kleinen Menge Platin, Iridium- und Osmiumchlorid. Aus dem im Wasserstoffstrome geglühten Rückstande wird durch Schmelzen mit Aetzkali und Salpeter das Ruthenium ausgezogen.

Ueber den Lackmusfarbstoff; von Wartha.

Behandelt man den käuflichen Lackmus mit gewöhnlichem Weingeist, so erhält man eine trübe, blauviolette Flüssigkeit, aus welcher sich beim Kochen Indigo als feines Pulver absetzt, während ein schön roth, oder bei manchen Sorten grün fluorescirender Farbstoff, der gegen Säure indifferent ist, in Lösung bleibt. Die auf diese Weise behandelten, zurückbleibenden Lackmuswürfel werden nun mit destillirtem Wasser übergossen und mindestens 24 Stunden hingestellt, worauf die tiefgefärbte Lösung abgegossen und auf dem Wasserbade eingedampft wird. Der zurückbleibende Farbextract wird einigemale mit absolutem, etwas Essigsäure enthaltendem Alkohol behandelt und weiter eingedampft, wodurch das Wasser so vollständig entfernt wird, daß der trockene, spröde Rückstand sich pulvern läßt. Das erhaltene braune Pulver wird nun mit absolutem, essigsäurehaltigem Alkohol extrahirt, wobei große Mengen eines scharlachrothen — mit Ammoniak nicht blauen, sondern purpurroth werdenden — ganz dem Orcëin ähnlichen Farbstoffes entfernt werden. Dadurch wird der zurückbleibende Lackmusfarbstoff so empfindlich, daß man damit die im Brunnenwasser enthaltenen kohlensauren alkalischen Erden gerade so genau titriren kann wie mit Cochenilletinctur, was mit der nach der bisher üblichen Weise hergestellten Lackmustinctur nicht ausgeführt werden konnte. Der in absolutem essigsaurem Alkohol unlösliche braunrothe Farbstoff wird nun in Wasser gelöst, filtrirt, im Wasserbade zur Trockne verdampft und schließlich durch mehrmaliges Befeuchten mit reinem, absolutem Alkohol und abermaligem Verdampfen jede Spur von Essigsäure entfernt. Der nun zurückbleibende, spröde, zu einem braunen Pulver leicht zerreibbare Körper ist der im Wasser mit röthlichbrauner Farbe lösliche, höchst empfindliche Lackmusfarbstoff. (Nach den Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft, 1876 S. 217.)

Ueber Resorcinschwarz; von Rudolf Wagner.

Das Resorcin, welches, seitdem es fabrikmäßig durch Schmelzen der Benzoldisulfonsäure mit Kaliumhydroxyd dargestellt wird, die Aufmerksamkeit der technischen Chemiker auf sich gelenkt, zeigt, mit gewissen Reagentien zusammengebracht, eigenthümliche Farbenerscheinungen, die den Beweis liefern, daß das Resorcin nicht nur als Ausgangsproduct für die Darstellung des Fluoresceïns und des Eosins von Interesse ist.

Versetzt man eine wässerige Lösung von Resorcin mit Kupfersulfat und setzt dann so viel Ammoniak hinzu, daß der anfänglich entstandene Niederschlag sich wieder auflöst, so erhält man eine tiefschwarze Flüssigkeit, mit welcher Wolle und Seide schwarz gefärbt werden kann, und die vielleicht auch als schwarze Tinte zu verwenden ist. (Deutsche Industriezeitung, 1876 S. 4.)