Text-Bild-Ansicht Band 220

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Thenard warnt vor Anwendung des Ozons, da dieses eines der heftigsten Gifte sei, welches in unseren Laboratorien hergestellt werde. Uebrigens seien unsere Kenntnisse über das Ozon noch so mangelhaft, daß es leichtsinnig wäre, dasselbe als Heilmittel anwenden zu wollen. (Comptes rendus, 1876 t. 82 p. 157.)

Quarz zur Verfälschung von Kleesaat.

F. Nobbe (Oesterreichisches landwirthschaftliches Wochenblatt, 1876 S. 1) berichtet, daß bei Lieben (in der Nähe von Prag) sich eine Fabrik von Quarzsteinchen findet, welche zur Verfälschung böhmischer Kleesaat verwendet werden. Dieselbe liefert 5 Sorten „Kleekies“ zu folgenden Preisen:

1) Ungefärbter lichtgrauer Kies „für Rothklee“. Von der Größe der Rothkleesamen. Sämmtliche Steinchen passiren ein Sieb mit 2mm Lochweite; kaum 1 Proc. derselben geht durch 1mm weite Oeffnungen. 100k kosten 9 M.

2) Ungefärbter grauer Kies „für Rothklee“. Etwas dunkler als voriger, in der Größe übereinstimmend. 100k kosten 9 M.

3) Dunkelgrün gefärbter Kies „für Roth- und Grünklee“. Größe und Form der beiden vorigen Sorten. 100k kosten 14 M.

4) Dunkelgrün gefärbter Kies „für schwedischen Klee“. Körnelung etwas schwächer als bei obigen drei Sorten. 100k kosten 17 M.

5) Schwefelgelb gefärbter Kies „für Weißklee“, von gleicher Größe mit Nr. 4, in Gestalt, Größe und Farbe sehr ähnlich den berüchtigten Hamburger „Weißkleesteinen“, nur etwas dunkler als diese. 100k kosten 16 M.

Sämmtliche fünf Sorten, von Natur etwas abgerundet, sind mit großer Sorgfalt gesiebt und gefärbt, so daß der Zweck der Täuschung nur zu sicher erreicht wird. Es war z. B. ein künstlich hergestelltes Gemenge von 5g der Steinchen Nr. 5 mit 15g reinem Weißklee (Trifolium repens), also ein Zusatz von 25 Proc. der Steine selbst von guten Samenkennern bei geschärfter Aufmerksamkeit nicht leicht von reinem Weißklee zu unterscheiden, und muß eine Mischung von dieser Höhe dem unbefangenen Auge des Käufers ohne Zweifel gänzlich entgehen!

Als Farbstoffe werden Chromlack und Berlinerblau verwendet.

Ueber eine neue Bildungsweise aromatischer Aldehyde; von K. Reimer.

Mischt man Phenol und Chloroform mit einem Ueberschuß von Alkalilauge (man wendet auf je 1 Mol. Phenol und Chloroform am besten 4 Mol. Natriumhydrat an), so tritt beim Schütteln nach einiger Zeit, rascher bei gelindem Erwärmen, eine heftige Reaction ein, welche man durch Abkühlen mäßigen muß. Man steigert schließlich die Temperatur, um die R action zu Ende zu führen, und destillirt hierauf das unzersetzte Chloroform ab. Setzt man nun eine starke Säure hinzu, so scheidet sich ein Oel aus, das deutlich den Geruch der salicyligen Säure zeigt, und welches mit Wasserdämpfen leicht übergeht. Das auf letztere Weise gereinigte Product gibt mit saurem schwefligsaurem Natrium eine schwerlösliche, krystallisirbare Verbindung und kann so vom anhaftenden, unveränderten Phenole befreit werden. Aus der Natriumhydrosulfitverbindung scheidet verdünnte Schwefelsäure ein Oel ab, welches nach dem Trocknen genau bei dem Siedepunkt des Salicylaldehyds destillirt. Dasselbe wurde durch die Elementaranalyse, sowie durch das charakteristische Verhalten gegen Eisenchlorid (violette Färbung) und Natriumhydrat (gelbe Färbung) unzweifelhaft als salicylige Säure erkannt. Die im Vorstehenden beschriebene Reaction läßt sich durch die folgende Gleichung veranschaulichen:

C6 H5 O Na + 3 Na H O + CH Cl3 = C7 H5 O2 Na + 3 Na Cl + 2 H2 O.

Versuche mit andern Phenolen haben ergeben, daß die obige Reaction eine allgemeinere ist; aus Cresol erhält man z. B. unter sonst gleichen Bedingungen ebenfalls einen Aldehyd, aus Guajacol Vanillin. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1876 S. 423.)