Text-Bild-Ansicht Band 220

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„Königin-Louise“ zu Zabrze in Oberschlesien mit Hilfe eines Niederdruckapparates eine Abdämmung in der Grube zur Isolirung eines Grubenbrandes inmitten einer durchaus unathembaren Atmosphäre hergestellt. — Im J. 1869 erfolgte auf der Grube „Krug von Nidda“ bei Iserlohn eine Pumpenreparatur bei 14m unter dem Wasserspiegel mit Benützung eines englischen Scaphanders. — Das Jahr 1871 brachte eine ausgedehnte Anwendung dieser Apparate in den Bergbaubezirken Essen und Bochum in Westphalen, die Bildung und specielle Einübung besonderer Arbeiterabtheilungen1 für den Rettungsdienst, und bis zum J. 1873 die erfolgreiche Anwendung der Apparate in nicht weniger als siebenzehn Fällen. — Die königliche Bergwerksverwaltung zu Saarbrücken folgte im J. 1872 dem von dem Gewerken-Vereine der Bezirke Bochum und Essen gegebenen Beispiele.

In Frankreich bediente man sich der Apparate zuerst im J. 1872 bei der Steinkohlen-Bergbaugesellschaft von St. Etienne, um bei 19m unter dem Wasserspiegel im Thibaut-Schachte einen locker gewordenen Plungerkolben wieder fest zu machen, und kurze Zeit darauf wurden in demselben Jahre und bei derselben Gesellschaft ähnliche Arbeiten bei 14m und 3m,50 unter dem Wasserspiegel ausgeführt, sowie endlich bei Méons ein Pumpenkörper bei 8m unter Wasser in einen im Abteufen begriffenen Schacht eingebaut. — Im J. 1873 wurde im Achilles-Schachte zu Treuil bei 8m unter Wasser eine Pumpe aufgestellt und in der Grube zu Brassac eine mit Kohlensäure und schlagenden Wettern erfüllte Förderstrecke auf 60 bis 80m Länge ausgebessert.

In Belgien erfolgte die Ausbesserung einer Schachleitung bei 108m bis 121m,50 unter Tage und bei einer Maximaltiefe unter dem Wasserspiegel von 23m im J. 1873; nach Vollendung dieser Reparatur konnten die aufgegangenen Wässer durch Tonnen wieder ausgefördert werden.

In demselben Jahre erfolgte endlich die Anwendung der Apparate auch in Italien, und zwar unter der Einwirkung der größten zulässigen

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Die Anschaffung einer größern Anzahl von Rettungsapparaten und die Bildung und mit militärischer Genauigkeit erfolgende Einübung der Arbeiterabtheilungen wurde von dem Gewerkverein in Dortmund auf Grund eines ausführlichen, von Hrn. Schulz (Director der Bergschule in Dortmund) erstatteten Berichtes beschlossen. Von der richtigen Ansicht ausgehend, daß jeder Arbeiter die schwierigsten Arbeiten in irrespirablen Gasen auszuführen im Stande ist, wenn er gelernt hat, unter Wasser leicht und sicher zu arbeiten, hat man in Dortmund die Einübung der Leute in einem über Tage gelegenen und überbauten, event. auch mit warmem Wasser zu speisende Bassin angeordnet. Nach Erlangung eines gewissen Grades von Fertigkeit erfolgen die Uebungsarbeiten auch in der Grube selbst. — Sämmtliche Rettungsabtheilungen (aus je 10 Mann bestehend) stehen unter dem Commando eines für diesen Zweck speciell angestellten Beamten.