Text-Bild-Ansicht Band 220

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Gegenüber Stimmen, welche die Ungefährlichkeit gefrorenen Dynamits dahin deuten wollen, man könne gefrorene Nitroglycerinpulver mit viel beschränktern Vorsichten behandeln, als solche im weichen Zustande, werden die geschilderten Verhältnisse deutlich genug sprechen; es wird kaum nöthig sein, weiters zu betonen, wie wichtig und unentbehrlich die Heizeinrichtungen in den Laboratorien der Nitroglycerinpulver sind, und wie sie von allen Fabrikanten dieser Präparate dafür gehalten werden. (Nach den Mittheilungen aus dem Laboratorium des Militärcomité in Wien, 1876).

Cellulose.

Zur Darstellung von Cellulose für die Papierfabrikation auf chemischem Wege hat sich Dr. Mitscherlich in Darmstadt ein Verfahren Patentiren lassen, dessen Eigenthümlichkeit nach dem „Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen“ darin besteht, daß die incustirende Substanz des Holzes nicht zerstört, sondern nur von der Cellulose getrennt und löslich gemacht wird, so daß sie in ihrer ursprünglichen Gewebebildung zurückbleibt. Es ist daher hierbei nicht, wie bei dem Sinclair'schen Verfahren, nothwendig, eine ganz feine Zersplitterung des Holzes vorzunehmen, und es genügt schon, dasselbe so, wie es zum Stubenofenbrand benützt wird, zu zerkleinern. Zu dem Proceß selbst wird eine Kalklösung verwendet, welche man mit dem Holze etwa 6 Stunden lang bei einem Drucke von 3at kocht. Nach der Kochung befinden sich die incrustirenden Stoffe theils gelöst in der Flüssigkeit, theils in den Poren des Holzes und werden aus letzterm durch geeignete Quetschapparate entfernt. Kommt es nun hierbei besonders darauf an, einen sehr werthvollen, möglichst weißen Papierstoff zu erhalten, welcher eine Bleichung nicht mehr erfordert, so braucht man nur weißliche, möglichst harzfreie Hölzer, wie Pappeln, Weiden, Linden etc. zu verwenden; durch den erwähnten Proceß werden diese Holzarten nicht weiter entfärbt und kommen hierbei die Eiweiß- und Gummistoffe zum größten Theil in Lösung. Das Gelingen dieses Processes ist viel weniger von dem Druck beim Kochen abhängig als von der Temperatur bei demselben, welche nicht über 120° steigen darf. Die Verwendung von Eichenholz zur Papierstofffabrikation bietet hierbei den Vortheil, daß man die darin enthaltene Gerbsäure als ein Nebenproduct gewinnt, welches in der erhaltenen Lösung mit Vortheil zum Gerben verwendbar erscheint.

Zusammensetzung der schwarzen Masse, welche beim Schmelzen von Blutlaugensalz erhalten wird.

A. Terreil (Comptes rendus, 1876 t. 82 p. 455) zeigt, daß die schwarze Masse, welche beim Schmelzen von Ferrocyankalium neben Cyankalium entsteht, nicht ein bestimmtes Kohleneisen von der Formel FeC2 ist, sondern ein Gemenge von 32,05 Proc. feinvertheiltem metallischem Eisen, 27,56 Proc. magnetischem Eisenoxyd (Fe3 O4), 27,47 Proc. freiem Kohlenstoff, 1,17 Proc. mit Eisen verbundenem Kohlenstoff und etwas Cyankalium, welches der Masse nicht durch Wasser entzogen werden kann.

Glasätzen; von E. Siegwart.

Seitdem die Flußsäure und die Fluorpräparate zu billigen Preisen geliefert werden können, scheint die Decoration von Glas mittels dieser Präparate immer mehr Boden zu fassen. Geätzte Gläser findet man schon recht häufig, und die Glasätzerei scheint den Glasgraveuren stark Concurrenz machen zu wollen. Es ist dies leicht zu begreifen, denn gut geätzte Glasgegenstände sehen wirklich hübscher aus als die gravirten. Die Herstellungskosten sind billiger, und seitdem uns >M. Hock (*1875 215 129) eine so ausführliche Arbeit über das Mechanische der Glasätzerei geliefert hat, sind auch die Schwierigkeiten reducirt. die sich bisher der fabrikmäßigen Ausbeutung der Aetzverfahren entgegenstellten. Wie bekannt, ätzt man mit der wässerigen Flußsäure blank und mit den Fluorpräparaten gewöhnlich matt (vgl. 1871 199