Text-Bild-Ansicht Band 218

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Die Analysen ergeben, daß diese Legirungen nicht aus reinen Metallen hergestellt sind, sondern direct aus den Mineralien, vielleicht aus Kupferkies und antimonhaltigem Bleiglanz, gemischt mit Blende. Daß die Röstung der Erze nicht immer vollständig war, zeigt der Gehalt an Schwefel in Probe II. (Comptes rendus, 1875 t. 80 p. 1009.)

F.

Die Zusammensetzung des Preßglases; von Dr. H. C. Benrath.

Weisen auch bereits altegyptische Funde zur Evidenz nach, daß eine formgebende Behandlung des Glases, die ihr Ziel durch Einpressen der flüssigen oder wenigstens noch weichen Masse in Hohlformen zu erreichen suchte, bereits der hochentwickelten Glastechnik der Zeit der Pharaonen bekannt und geläufig gewesen, so ist doch die Herstellung durch solches Pressen gebildeten Hohlglases ein Zweig unserer Industrie, dessen Inslebentreten, so weit bekannt, erst dem Anfange unseres Jahrhunderts angehört. England gilt für die Heimath des Preßglases, und wäre (nach Lobmeyr) etwa das Jahr 1810 das Geburtsjahr des neuen Verfahrens.

Die Technik des Pressens ist eine, sind auch die benützten Formen oft complicirte, höchst einfache und allbekannte; wenig oder nichts dagegen ist bisher über die Zusammensetzung des auf gepreßte Waare verarbeiteten Materials in die Oeffentlichkeit gelangt, und doch ist diese hier nichts weniger als gleichgiltig. Soll die flüssige Glasmasse sich leicht und möglichst vollkommen den Gestaltungen der Form anschließen und diese dabei nicht übermäßig erhitzt werden, so muß das Glas möglichst leicht schmelzbar sein, und nicht allzu rasch aus dem plastischen in den starren Zustand übergehen. Ebenso wird eine Leichtschmelzbarkeit auch schon durch den Umstand gefordert, daß, um die Unebenheiten und den mangelnden Glanz der in Berührung mit der Metallform erstarrten Flächen nachträglich zu beseitigen, ein rasches Wiedererweichen der Oberfläche des Objectes, wenn dasselbe vor der Arbeitsöffnung des Ofens angewärmt wird, wünschenswerth.

Solchen Anforderungen entsprechen von den bisher verwendeten Glassorten am meisten die schweren, bleihaltigen, das Flintglas, und bildete dieses dann auch das in der Heimath unseres Fabrikationszweiges, sowie in dem mit Erfolg nachstrebenden Frankreich bis vor Kurzem so gut wie ausschließlich verwendete Material. Das relative Verhältniß der Einzelbestandtheile des Gemenges war bei Anfertigung der Preßglascomposition meist das nämliche, wie für vor der Pfeife zu verarbeitenden Krystalle, wie solches ein Vergleich der nachstehenden Ergebnisse einer von Salvétat ausgeführten Analyse geblasenen französischen Krystalles*, und meiner Untersuchung Barrasat'schen Preßglases, dessen specifisches Gewicht = 3,326(2), darthun.

I. II.
Kieselsäure 51,1 50,18
Thonerde nebst Spuren von Eisen und Mangan 1,3 0,14
Bleioxyd 38,3 38,11
Natron 1,7
Kali 7,6 11,62
–––––––––––––
100,0 100,05.

Hatte sich nun auch eine Zusammensetzung, wie die eben aufgeführte, die auf das alte Bleikrystallgemenge (300 Sand, 200 Mennige, 100 Potasche) zurückzuführen ist, hier als ganz geeignet erwiesen, so machte sich bei weiterer Entwickelung der Preßglasindustrie doch die Kostspieligkeit derartiger Mennige-Potasche-Compositionen zu fühlbar, als daß man nicht hätte bestrebt sein sollen, dieselben durch billigere Gemenge zu ersetzen; auch war das sehr hohe specifische Gewicht der Glasmasse, welches die ihrer unvermeidlichen Dickwandigkeit an und für sich schon recht schweren Gläser noch mehr ins Gewicht fallen ließ, ebenfalls kein Vorzug. Mehrfach sieht man daher in der Zusammensetzung derartig hergestellter neueren Gläser das Streben hervortreten, beiden gerügten Umständen entgegenzuarbeiten, indem einerseits der Bleioxydgehalt verringert, andererseits das Kali durch das weniger kostspielige Natron theilweise ersetzt wird. Als Beispiel für das Vorgehen in dieser Richtung diene hier

*

Die Glasindustrie, ihre Geschichte, gegenwärtige Entwickelung und Statistik (Stuttgart, Spemann 1874) S. 175.