Text-Bild-Ansicht Band 218

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ein neueres englisches Preßflintglas, welches, mit der Fabrikmarke R = versehen, das specifiche Gewicht 2,874 zeigte, und in dem ich fand:

Kieselsäure 61,27
Thonerde, Eisenoxyd und Manganoxydul 0,68
Bleioxyd 22,36
Kalk 1,05
Natron 7,55
Kali 7,07
–––––
99,98

Die gefundene Zusammensetzung ließe sich auf ein Gemenge zurückführen, für welches der Satz der nachstehende:

Gemengebestandtheile liefern ins Glas Zusammensetzung der Gläser
Sand 300 Th. Kieselsäure 300 61,2 Proc.
Mennige (Glätte?) 110 „ Bleioxyd 110 22,4 „
Kreide 10 „ Kalk 6 1,2 „
Soda* 70 „ Natron 38 7,8 „
Potasche 60 „ Kali 36 7,4 „
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Gemenge 550 Th. liefern Glas 490 Th. 100,0 Proc.

Außerhalb Englands, Frankreichs und etwa noch Belgiens ist die Fabrikation gepreßten Hohlglases kaum irgend in Flor gekommen. Man hat zwar hier und da, so u.a. auch in Oesterreich, Versuche mit ihrer Einführung gemacht, gelangte aber, da man nicht mit der neuen Bearbeitungsweise auch das sich für diese besonders eignende weiche Material acceptirte, im Ganzen nur zu untergeordneten Resultaten. Die aus gewöhnlichem Weißhohlglase oder sogen. böhmischem Krystall gefertigten Preßgläser zeigten nur stumpfe Kanten der Gesammtform wie des Ornamentes, und auch die Continuität der Oberfläche ließ viel zu wünschen übrig.

War ein Theil der Fabrikanten bemüht, den Bleigehalt ihrer Producte hinabzudrücken und dafür den Natrongehalt zu erhöhen, so schlug ein anderer Theil andere Wege ein, so z.B. P. Regout in Maastricht, welcher den glücklichen Gedanken faßte, einen Theil des Bleioxydes durch Barit und Kalk zu ersetzen, und hierdurch Glas von dem Krystall ähnlicher Leichtschmelzbarkeit und hohem Brechungsvermögen darzustellen. Sein Satz für Preßflintglas lautete, nach einer mir durch Hrn. Civilingenieur C. Nehse in Dresden s. Z. gemachten gütigen Mittheilung, wie folgt, und berechnet sich hiernach die zu erwartende Glaszusammensetzung wie nachstehend angeführt.

Regout's Satz. Berechnete Glaszusammensetzung.
Sand 300 Th. Kieselsäure 61,9
Mennige 80 „ Bleioxyd 16,0
Kalkstein (roh) 40 „ Kalk 4,5
Witherit 40 „ Barit 6,3
Potasche 80 „ Kali 11,3
Salpeter 10 „ –––––
100,0

Daß solches Glas leicht schmelzbar, unterliegt keinem Zweifel, auch ist gegen seine Composition sonst nicht viel einzuwenden; warum aber, wenn doch schon Oekonomie gemacht wurde, nicht an Stelle der 80 Th. Potasche die äquivalente Menge (rund 60 Th.) Soda verwendet werden könnte, ist nicht wohl einzusehen, da kein Grund vorliegt anzunehmen, daß durch solche Ersetzung des theueren Alkalis durch das billigere die Güte des Productes irgend wesentlich beeinflußt werden würde.

Wie die oben besprochenen Bleigläser, so hat unzweifelhaft auch Regout's Blei-Barit-Kalkglas ein sehr hohes specifisches Gewicht, was, da an den Klang neuerdings, seit die hier vollständig berechtigten, zum größten Theile matt gehaltenen Oberflächen mehr und mehr aufgekommen, auch an das Lichtbrechungsvermögen keine hohen Anforderungen gestellt werden, kein Vorzug, sondern ein Uebelstand.

In richtiger Erkenntniß der Sachlage liefern denn auch neuerdings u.a. E. Moore und Comp. zu South-Shields ein Preßflintglas, das aus bedeutend leichterem Material hergestellt, äußerlich sehr schön und dabei bedeutend billiger als das schwere Bleiglas ist. Meine Bemühungen, eine sichere Probe solchen Glases zu erhalten,

*

Die Alkaliverflüchtigung unberücksichtigt, dagegen sowohl Soda als Potasche zu nur 90 Proc. Alkalicarbonat berechnet.