Text-Bild-Ansicht Band 217

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Automatisch directe Schieber- und Kolbenschmierung; von Ingenieur Fumée in Samanud (Egypten).

Mit Abbildungen auf Taf. I [a/2].

Die automatischen Schieber und Kolbenschmierungen sowohl, als die gewöhnlichen Oeler mit Doppelhähnen haben bekanntlich den Nachtheil, daß sie sehr unökonomisch sind; der größte Theil des Fettes geht, ohne geschmiert zu haben, mit dem abgehenden Dampf verloren. Die automatischen Schmiervorrichtungen, welche scheinbar gut arbeiten, haben außerdem den bedeutenden Nachtheil, daß gewöhnlich ein großer Theil des Fettes zersetzt wird. Die Zersetzung (Verseifung) tritt besonders stark auf, wenn das Speisewasser Natron1) Kalk etc. enthält. Die geringe Menge Fett, welche mit jedem Kolbenhub mit dem einströmenden Dampf und in fein vertheiltem Zustande gemengt ist, verseift sich zum Theil mit dem vom Dampfe mitgerissenen Salze. Kommt nun noch ein Ueberkochen im Kessel vor, so erscheint die Schmierung ganz wirkungslos. Die Zersetzungsproducte sind in solchen Fällen schlechte Schmiermittel, und man wird bald eine sehr starke Abnützung am Schieber, Kolben etc. bemerken.

Abgesehen von diesen Nachtheilen, ist die allgemein angewendete Schieberschmierung noch sehr unvollkommen, und zwar besonders bei Doppelschiebern. Sowohl am Vertheilungs als Expansionsschieber kommen Gleitflächen vor, welche nie mit Dampf, noch weniger mit Fett in Berührung kommen. (Die Anbringung von Schmierschlangen auf der Schieberfläche hat sich auch ungenügend bewährt, da sich die Canäle bald versetzen.) Die Folge davon ist eine ungleiche Abnützung des Schiebers, was nothwendig einen schlechten Verschluß desselben und einen größeren Dampfverbrauch nach sich zieht. Dieser Nachtheil mag besonders Ursache sein, daß man die so schöne und einfache Schiebersteuerung bei größeren Maschinen in der Neuzeit durch andere mehr complicirte Steuerungen zu ersetzen gesucht hat. Alle diese angeführten Nachtheile werden bei Anwendung meiner directen Schmierung gänzlich beseitigt.

Die directe Schieber- und Kolbenschmierung beruht darauf, das Fett nicht wie gewöhnlich mit dem einströmenden Dampf zu mengen, welcher nur einen geringen Theil des Fettes an die Gleitflächen bringt, sondern es durch eigens gebohrte Löcher und Canäle direct auf die

1)

Hier sind die meisten Brunnenwässer mehr oder weniger Natron haltig.