Text-Bild-Ansicht Band 217

Bild:
<< vorherige Seite

Inzwischen wurden auf dem gesellschaftlichen Hohofen zu Prevali in der Zeit vom 30. December 1874 bis 30. Januar 1875 Versuche vorgenommen, Holzkohlen oder Steinkohlencoaks durch rohe Braunkohlen zu ersetzen, und können die dabei erreichten Resultate immerhin als sehr erfreuliche bezeichnet werden. Die zur Verwendung gebrachten Braunkohlen stammten ebenfalls von Liescha nächst Prevali; sie gehören zu den armen Braunkohlen.

Bei einem Zusatze von 33,3 Proc. Braunkohle oder bei 100k Coaks zu 50k Braunkohle war der Ofengang noch ein durchaus befriedigender. Das dabei erblasene Roheisen war ein graues, meist hochgraues Bessemerroheisen. Es scheint der Braunkohlenzusatz um so zulässiger zu sein beim Betriebe auf gare Eisensorten, bei welchen eine gare, sehr flüssige Schlacke abfällt, weil diese sich mit der feinen Braunkohlenlösche nicht zu betriebstörenden Klumpen zusammenbacken kann.

Im äußerlichen Verhalten zeigt das gefallene Roheisen keinen Unterschied gegen das mit Coaks gewonnene. Es zeigte auch die gleiche Dünnflüssigkeit und beim Zerschlagen die gleiche Zähigkeit und Festigkeit. Die eben im Zuge befindlichen Analysen, sowie die praktische Verarbeitung im Bessemerconverter und im Puddelofen werden über die qualitativen Unterschiede genauen Aufschluß geben.

Verf. will nicht behaupten, daß mit dem Braunkohlenzusatze über das angegebene Verhältniß von 33 Proc. nicht werde gegangen werden können; es wird dies um so leichter gehen, je reiner die Kohle und je weniger dieselbe wegen ihres Wassergehaltes dem Zerfallen unterworfen ist. So viel läßt sich aber mit Bestimmtheit behaupten, weil es eben aus den vorgenommenen Versuchen hervorgeht, daß es möglich ist, in einem gewissen Verhältnisse Braunkohlen den Steinkohlencoaks zuzumengen, und daß es bei einem Verhältnisse von 33 Proc., nämlich 2/3 sehr aschenreiche Fünfkirchner Coaks und 1/3 Braunkohlen, selbst bei Verwendung der armen Lieschaer-Kohle keine wesentlichen Anstände gegeben hat.

Was den ökonomischen Erfolg betrifft, so bezifferte sich derselbe mit 22 kr. ö. W. per Centner Roheisen, und ist gegründete Aussicht vorhanden, daß er bei einem regelmäßigen und längeren Betrieb noch wesentlich bedeutender sein werde. So erfreulich nun diese Erfolge auch an und für sich sind, so berechtigen selbe doch wohl nicht zu der Annahme, daß beim Hohofenbetriebe Steinkohlencoaks durch Braunkohlen vollständig ersetzt werden können. Zur Lockerhaltung der Schmelzsäule werden immer Coaks verwendet werden müssen, während die beim Einrücken in die höhere Temperaturzone des Hohofens zerfallende Braunkohle Gase abgibt, welche offenbar den Hohofenproceß günstig beeinflussen.

Was nun das Aequivalentverhältniß betrifft, in welchem Lieschaer Braunkohle zu Prevali statt Steinkohlencoaks verwendet wurde, so ist vor Allem hervorzuheben, daß die besseren, übrigens zerreiblicheren und viel kostspieligeren Ostrauer Steinkohlencoaks in der Weise ersetzt wurden, daß statt 50k Ostrauer und 50k Fünfkirchner Coaks verwendet worden sind: 88k Fünfkirchner Coaks und 28k Braunkohle, daß mithin 50k Ostrauer Coaks ersetzt wurden durch 38k Fünfkirchner Coaks und 28k Braunkohlen, also durch 66k des genannten Brennstoffgemenges.

Da nun erfahrungsgemäß im besten Falle 120k Fünfkirchner Coaks äquivalent sind mit 100k Ostrauer, so kann angenommen werden, daß 18k Ostrauer Coaks durch 28k Braunkohlen, oder daß 100k Ostrauer Coaks durch 155k Braunkohle, oder auch daß 100k Fünfkirchner Coaks durch 130k Braunkohle ersetzt worden sind.