Text-Bild-Ansicht Band 217

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nahm Harmignies, Ingenieur der Compagnie d'Orleans, im J. 1870 ein Patent und ließ nach demselben bei der Chemin de fer des Dombes mit Unterstützung des Betriebschef Jouffret dieser Bahn einen Versuch machen. In das Ausströmrohr wurde an der Stelle, wo sich die von den Cylindern kommenden Rohre unterhalb der Rauchkammer vereinigen, ein Ventil eingeschaltet, welches dem Ueberdruck des austretenden Dampfes freien Austritt gestattet, hingegen das Ansaugen von Heizgasen bei der Reversirung unmöglich macht. Diese Einrichtung ist in Fig. 1 dargestellt. Dieselbe mußte aber bald wieder aufgegeben werden, indem sich kein Mittel fand, den fortgesetzten Brüchen des Ventilkörpers abzuhelfen; jedenfalls machte sich auch erhöhter Gegendruck im Cylinder und Verminderung der Blasrohrwirkung geltend. In Folge dessen ersetzte man das Ventil durch einen Schieber von der in Figur 2 bis 4 ersichtlichen Construction und erzielte damit nach den Angaben unserer Quelle einen vollständigen Erfolg derart, daß der Apparat Jouffret-Harmignies' nunmehr bei allen Maschinen der Compagnie des Dombes eingeführt wird, nach dem von Harmignies neuerdings am 17. Januar 1874 genommenen Patente. Die Construction dieses Schiebers geht aus den Zeichnungen klar hervor. Man ersieht daraus (Fig. 4), daß durch dieselbe Bewegung, welche den Schieber schließt, ein Einspritzhahn geöffnet wird, der das Ansaugen eines Wasserstrahles vom Tender aus gestattet; gleichzeitig ist noch in dem Schieber ein Ventil angebracht, um für den Fall, als der Führer den Schieber zurückzuziehen vergißt, dem Abdampfe den Austritt zu ermöglichen.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Einrichtung eine sehr einfache und sichere Manipulation beim Bremsen mit Contredampf gestattet; fraglich bleibt nur, ob die hiermit erzielbaren Vortheile wirklich die erhöhte Complication der Maschine, welche dadurch bedingt wird, thatsächlich rechtfertigen.

Nun werden zwar vergleichende Versuche angeführt, bei welchen sich der Apparat von Harmignies bedeutend wirksamer erwiesen haben soll als der von Lechatelier; ebenso wird die leichtere Handhabung und regelmäßige Wirksamkeit, endlich die größere Sicherheit gegen übermäßige Erhitzung, sowie Brennmaterialersparniß in Folge der Verwendung von Tenderwasser zu Gunsten des neuen Apparates angeführt. Von diesen Vorzügen, welche theilweise wohl begründet sind, fällt jedoch nur der erstere, eine größere Bremswirkung, wesentlich ins Gewicht; diese Behauptung aber, welche auch principiell durch nichts gerechtfertigt ist, kann nach dem Anblick der Diagramme, die in Fig. 5 bis 7 wiedergegeben sind, durchaus nicht aufrecht erhalten werden.