Text-Bild-Ansicht Band 217

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Das Princip ist an und für sich einfach. Betrachtet man aber einen für eine Menge Leitungen construirten Blitzableiter mit seinen vielen Verbindungsklemmen für die Leitungen, Apparate, Widerstände etc. und seine Vorrichtungen zum Ausschalten bei Gewittern und Störungen, so erscheint derselbe äußerst complicirt und zu Störungen einladend. In der That verursachen die Blitzableiter die meisten Störungen in den Stationen, und zwar in Folge atmosphärischer Entladungen, Lockerung der Verbindungen, Brechen der feinen Drähte und Entstehung von Nebenschließungen in denselben, indem leitende Körper und Feuchtigkeit, die nahe beisammen liegenden Theile mit einander verbinden. Die Kosten der Neubeschaffung betragen pro Leitung durchschnittlich 25 M., was bei der Menge der Telegraphenstationen und der bei ihnen aus- und eingehenden Leitungen ein erhebliches Anlagecapital erfordert. Da ferner der Blitz beim Ueberschlagen die Spitzen der Kegel etc. häufig abschmilzt und sie nicht selten mit einander verlöthet, so kann die Herstellung unter Aufwand von Reparaturkosten nur durch den Mechaniker, nicht aber durch den Apparat-Beamten erfolgen, was stets zu Unzuträglichkeiten für den Dienst führt, indem in Ermangelung von Reservekegeln die Apparate eine Zeit lang schutzlos sind.

Die folgende Construction würde allen diesen Uebelständen begegnen und nicht allein ihren Zweck ebenso gut wie jene erfüllen, sondern für 100 Leitungen ein Anlagecapital von höchstens 25 M. und keinerlei Reparaturkosten erfordern; eine durch den Blitz verursachte Störung aber kann der Beamte sofort beseitigen. Dieser Blitzableiter wird am zweckmäßigsten bei der Batterie aufgestellt und vom Batterie-Beamten beaufsichtigt.

Auf den beiden langen Seiten eines etwa 10cm tiefen und breiten Kästchens von Weißblech b sind, wie Fig. 36 im Querschnitt zeigt, zwei isolirende Holzschienen a, a angebracht, welche die Verbindungsklemmen c und c¹ tragen. An c wird die Leitung L geführt, von c¹ geht die Verbindung durch die übrigen Telegraphenapparate A und diese sind andererseits an den Blechkasten geführt, resp. durch diesen mit der Erde E in Verbindung. Die Klemmen c und c¹ sind durch eine weitgewundene Spirale s aus feinem Neusilberdraht verbunden, deren Seidenüberzug einigemale durch eine Kautschuklösung gezogen wurde und so einen dünnen, aber wasserdichten isolirenden Ueberzug bildet. Dieser Blechkasten b wird in der Batteriestube direct auf gutleitende Erde gesetzt oder anderweit mit Erde verbunden und auf dreiviertel seiner Höhe mit Wasser gefüllt. Tritt nun ein Blitzschlag in die Leitung L, so bietet die Spirale s mit ihrem dünnen Ueberzuge demselben eine beinahe directe Verbindung mit dem Wasser resp. der Erde, wobei die Windungen der