Text-Bild-Ansicht Band 216

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ziemlich hohen Zusatz an Kalk zu erzielen sucht, wobei die Kosten für die Schmelzung wohl in Erwägung gezogen werden müssen, um die Menge des Alkalis schon aus diesem Grunde nicht zu gering zu machen.

Das weiße Hohlglas (Kalkglas) und Flaschenglas erfahren insofern dieselbe Behandlung als die Abkühlung aus dem dünnflüssigen in den festen Zustand sehr schnell vor sich geht, also die Entglasung weniger leicht eintritt. Dieselben werden zwar auch einer langsamen Abkühlung unterworfen, aber von einer Temperatur aus, bei welcher sie sich schon in festem Zustande befinden. Ebenso sind diese Gläser keinen Witterungseinflüssen ausgesetzt. Es kann daher der Kalkzusatz um ein Bedeutendes erhöht werden, und zwar muß noch mindestens die Erstarrung zu einem amorphen Product eintreten. Daß diese Bedingung sehr häufig nicht erfüllt wird, kann man an dem massenhaften Auftreten von Krystallen im Flaschenglase beobachten. Für das feinere Hohlglas, welches geschliffen werden soll, sind noch andere Rücksichten maßgebend.

Aus dem Gesagten ist ersichtlich, daß für jede der technisch wichtigen Glasarten die Zusammensetzung aus Utilitätsrücksichten verschieden ist.

Von den drei betrachteten Glasarten steht das Fensterglas in seiner Zusammensetzung jedenfalls in der Mitte. Nehmen wir für dieses vielleicht die Normalzusammensetzung:

Kieselsäure 71,5 Proc.
Natron 13,5 Proc.
Kalk 15,0 Proc.

an, so ließen sich für jede andere Glasart, durch Vermehrung oder Verminderung der einen Substanz auf Kosten der beiden anderen unter Zugrundelegung der oben ausgesprochenen Ansichten, brauchbare Mittelwerthe erhalten.

Man würde auch die von Benrath aufgestellte Normalformel zu Grunde legen können; allein, da dieselbe nach dem Ausspruche Benrath's in ihrem Kieselsäuregehalt 3 bis 4 Proc. höher steht, als der Praxis entspricht, so ist es vielleicht passender, eine durch Procentzahlen angegebene Zusammensetzung als normale zu nehmen.

Ich will die Aenderungen für die verschiedenen Glasarten nicht durchführen, sondern, wenn sich diese Ansichten einigen Anklanges erfreuen sollten, dies gewiegten Praktikern überlassen.

Witten, im April 1875.