Text-Bild-Ansicht Band 216

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nicht präcisen Namen als Sand bezeichnet. Um uns also streng an den Befund der Analyse zu halten, haben wir der gefällten, also amorphen Kieselsäure so viel krystallisirte beizumischen, als die Analyse angibt.

Erinnern wir uns dabei2 daß die amorphe Kieselsäure gemengt mit Thonerde sich „wesentlich leichtflüssiger als die krystallisirte verhält, ja in einer bestimmten Temperatur, in welcher die amorphe Kieselsäure geradezu als Flußmittel auftritt, die krystallisirte Kieselsäure im Gegentheil die Strengflüssigkeit zu erhöhen vermag“, so läßt eine Wiederholung des Versuches mit dieser Abänderung ein anderes Resultat in Voraus erwarten. Zur nochmaligen Vergewisserung wurde für den früheren Versuch, welcher mit gereinigter Infusorienerde und Opal, Bergkrystallpulver gegenüber angestellt, die Abänderung getroffen, daß jetzt chemisch gefällte Kieselsäure benützt wurde.

Beide, die amorphe Kieselsäure und das feinste Bergkrystallpulver, nachdem sie mit Salzsäure ausgekocht, ließen in controlirter Platinschmelzhitze keine augenfällig verschiedene Schmelzbarkeit wahrnehmen; hingegen war, je mit gleichen Gewichtstheilen reiner Thonerde versetzt, die Probe mit der amorphen Kieselsäure mehr ölig und ungleich fester — also mehr von wenn auch noch so leisem Schmelz durchdrungen — als die Probe mit dem Bergkrystallpulver. Letztere erschien entschieden mehr staubig. Der erneuerte Versuch bestätigt somit die leichtere Schmelzbarkeit der amorphen Kieselsäure gegenüber der krystallinischen in Verbindung mit Thonerde, wenn auch der Abstand nicht so augenfällig, als dies bei der gereinigten Infusorienerde oder Opal der Fall ist.

Die pyrometrische Bestimmung wurde wiederholt mit neu dargestellten Gemengen, bei denen für den Zettlitzer Kaolin auf 0,811 amorpher Kieselsäure 0,103 feinster Sand, welcher aus völlig klarem Bergkrystall durch Zerschlagen in eingewickeltem Papier und alsdann Zerreiben in der Achatschale gewonnen, genommen war. Die Gemenge wurden wie oben erst trocken, dann im breiartigen Zustande und hierauf getrocknet nochmals zerrieben und daraus die Proben geformt und ebenso geglüht.

Beim Anmachen der Pulver bedürfte das Gemenge weniger Wasser als das obige mit nur gefällter Kieselsäure; die Masse war weniger voluminös,

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Auch für sich ist die gefällte Kieselsäure, wie sie z. B. bei Silicatanalysen nach dem Ausschließen mit kohlensauren Alkalien erhalten wird, selbst sorgfältigst mit kochendem Wasser längere Zeit ausgewaschen, weniger strengflüssig (vergl. 1863 169 359. 1864 174 140). Erst nach völligem Auskochen mit Salzsäure erscheint die gefällte amorphe Kieselsäure für sich fast gleich unschmelzbar mit dem Bergkrystall, resp. mit der krystallinischen Kieselsäure. Nur eine wenig größere Festigkeit der Probe läßt sich alsdann zu Ungunsten der amorphen Kieselsäure beobachten, nachdem sie der Platinschmelzhitze ausgesetzt war.