Text-Bild-Ansicht Band 216

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künstlichen Gemenge um so mehr multiplicirt. Eine einmal eingeleitete Schmelzung kommt hier um so energischer und vollständiger zur Erscheinung. Umgekehrt tritt beim Zettlitzer Kaolin bei dem geringeren Kieselsäuregehalt der ungünstigere Umstand in den Hintergrund.

Liegt doch überhaupt der Grund der weit leichteren Schmelzbarkeit des Saarauer Kaolins gegenüber dem Zettlitzer, wiewohl ersterer wesentlich flußmittelärmer ist, in dem geringeren Thonerde- resp. größeren Kieselsäuregehalte.

Wenn auch vorliegende Untersuchung nicht den Anspruch einer nach allen Seiten erschöpfenden Behandlung der vorliegenden Frage machen kann, so dürften doch folgende Punkte für deren kaum zweifelhafte Lösung daraus hervorgehen.

1) Die von Brongniart behauptete Differenz in der Schmelzbarkeit zwischen künstlich zusammengesetztem Kaolinporzellan im Gegensatz zu solchem, wozu natürlicher Kaolin verwendet, muß sich unstreitig zu erkennen geben, wenn man nur schlechthin die mittels der Analyse gefundenen Bestandtheile in denselben relativen Verhältnissen abwiegt, ohne aber auf die ganz besondere Reinigung der Kieselsäure Bedacht zu nehmen, und ohne sich an die wirklichen natürlichen Umstände strengstens zu halten.

2) Anders und günstiger gestaltet sich schon das Resultat, wenn man für die vorher mit Salzsäure behandelte Kieselsäure außer der erhaltenen amorphen auch die gefundene krystallinische hinzufügt. Es wird alsdann für den Zettlitzer Kaolin bereits ein sehr geringer Abstand und für den Saarauer Kaolin eine ziemliche Annäherung erreicht.

3) Wahrscheinlich dürfte auch diese noch bemerkenswerthe Ver schiedenheit ihren Grund in dem hydratischen Zustande der natürlichen Verbindungen haben, sowie in wohl nie fehlenden organischen, kohligen Substanzen, und endlich mitwirkend in der nicht ohne Analogie bestehenden progressiv vermehrten Schmelzbarkeit einer Thonmasse durch eine bis zu einem gewissen Punkte vermehrten Kieselsäuremenge, vorausgesetzt, daß nur die Schmelzhitze genügend hoch ist.

4) In physikalischer Beziehung nimmt mit theilweisem Ersatz der chemisch gefällten Kieselsäure durch natürliches Quarzpulver bereits die Wasseraufnahme der Masse ab, ferner deren Volumen und Festigkeit. Mit der relativ größeren Menge der hinzugefügten künstlichen Kieselsäure überhaupt läßt sich ein Wachsen der Aufnahmefähigkeit an Wasser wie des Volumens der Masse beobachten.

Wiesbaden, im April 1875.