Text-Bild-Ansicht Band 199

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in allen Ländern dieselben und von gleichartiger Qualität, sondern sehr verschieden. England producirt vorzugsweise Lumpen aus langhaarigen, gröberen Wollen, aber selten aus reiner Wolle, vielmehr aus gemischtem Material, meist Baumwollkette. Die englischen Lumpen sind stets sehr schmutzig und feucht in Folge des Clima's; daher kauft England auch seinen Hauptbedarf an Lumpen im Auslande, besonders in Frankreich und Deutschland. Norddeutschland und Oesterreich produciren große Quantitäten Lumpen und vorzugsweise aus tuchartigen Streichwollstoffen. Da ein Theil derselben nach England ausgeführt wird, so bezieht Deutschland aus Frankreich noch Lumpen für die inländische Fabrication. In Amerika ist die Fabrication der Kunstwolle kaum erst im Gange, trotzdem erhält das europäische Festland doch nur sehr wenig Lumpen von dort, wohl des Transportes wegen. Rußland liefert sehr staubige und erdige Lumpen. Sie könnten trotzdem für den Handel von Bedeutung werden, wenn man in Rußland vor dem Export für gründliche Reinigung sorgte und sodann in dem großen Kaiserreich geregelte Lumpensammlungen anstellte. Die Lumpen welche Italien und zwar zumeist für den Export liefert, da in Italien selbst erst zwei bis drei Fabriken für Kunstwolle bestehen, sind im Verhältniß zu denen aus anderen Ländern sehr rein, aber sehr durch den Gebrauch angegriffen. Sie gehören den Tuch- und Kammwollstoffen in gleichen Quantitäten an. Spanien, Marokko, die Türkei und der ganze Orient sind Quellen des Rohstoffes für die Kunstwollfabrication und werden von den Missionären dieser Industrie, den Lumpensammlern, bereits der Kreuz und Quere nach abgesucht. Diese Lumpen haben nur den Fehler, sehr viel mit Baumwolle, Lein und anderen vegetabilischen Gespinnststoffen vermischt zu seyn. Außerdem sind sie stark benutzt und verbraucht, ja fast verwittert und verwest. Das Letztere gilt auch von den Lumpen welche hauptsächlich Frankreich aus Aegypten und Algier bezieht. Dort sind auch nur die Lumpen welche man in den größeren Städten dieser Länder sammelt, einigermaßen mit den Lumpen der civilisirten Länder zu vergleichen. In Frankreich endlich gewinnt man ein ebenso brauchbares Material wie in Deutschland, nur ein etwas schmutzigeres. Die feineren Tuchlumpen herrschen auch dort vor und ebenso die rein wollenen. Als Folge des schnell wechselnden Modeluxus produciren die Städte Paris, Bordeaux, Lyon, Marseille, Toulon und Nizza große Quantitäten fast neuer Lumpen, welche selbstverständlich den höchsten Preis erreichen.

Wir haben oben schon die Art und Weise der Einsammlung berührt und erwähnt welche und wie verschiedene Leute sich damit befassen. Wir wollen jetzt näher auf die Thätigkeiten dieser kleinen und großen Lumpensammler