Text-Bild-Ansicht Band 199

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minder sorgfältigen Sortirung und Vorbearbeitung, von dem Feuchtigkeitsgehalt, von der jeweiligen Handelsconjunctur.

Ein fernerer Unterschied, welcher ebenso wie die oben genannte Zweitheilung in der Verarbeitung und Bearbeitung der Lumpen und der effilochirten Wolle beruht, ist nach dem Gehalt der Lumpen an vegetabilischem Material zu machen. Die Lumpen mit Baumwoll- oder Leinenkette müssen besonders bearbeitet werden, um die vegetabilische Faser wegzuschaffen, da diese nur dazu dienen kann, die Kunstwolle zu entwerthen. Sowohl dieser Punkt als auch der, daß die Lumpen meistens mit vielem Staub beladen in den Handel gebracht werden, räth dem Einkäufer zur größten Vorsicht beim Kaufe. Wir haben Lumpen unter den Händen gehabt, welche per Zollcentner 70 Procent Schmutz und Abfall enthielten und durchschnittlich kann man rechnen, daß 40 Procent Staub stets vorhanden sind. Die Kunstwollfabriken kaufen entweder die rohen, nur oberflächlich sortirten Lumpen ein und sortiren selbst, oder sie kaufen bereits sortirte und geschnittene Lumpen, welche beim Schneiden natürlich einen großen Antheil des Staubes bereits verloren haben.

Bei Bearbeitung und Zurichtung der Lumpen für den Handel kann man jetzt nach dem Gebrauche verschiedener Fabriken folgende vier Methoden unterscheiden:

  • 1) Man zerschneidet die Lumpen, feuchtet sie an und zerreißt sie auf dem Wolf. Das so erhaltene Product, mit viel Staub und anderen Unreinigkeiten noch beladen, kommt in den Handel als Surrogatmaterial der Spinnerei.
  • 2) Man zerschneidet die Lumpen, zerreißt sie trocken und bearbeitet sie leicht auf Wölfen und Kardirmaschinen, wodurch ziemlich viel Staub ausfällt.
  • 3) Man zerschneidet die Lumpen, fettet sie etwas ein, zerreißt sie und kratzt sie etwas auf Krempeln. Diese Methode bietet der betrügerischen Absicht die größte Chance dar. Einmal fesselt das Oel den Staub an die Fasern, sodann aber die für die alleinige Verarbeitung viel zu kurzen Fasern an die längeren. Diese Mungomasse täuscht meistens den Verkäufer durch gutes Aussehen. (Anders ist es, wenn der Kunstwollfabrikant diese so hergestellte Kunstwollmasse selbst weiter verspinnt, da fallen die obigen Vorwürfe weg.)
  • 4) Die Wolllumpen werden gewaschen, zerschnitten, nochmals gewaschen und dann zerrissen. Diese Proceduren liefern eine staubfreie, von allen Unreinigkeiten freie Masse, welche noch während