Text-Bild-Ansicht Band 199

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Die Lumpen werden mit kalter Säure behandelt und sofort darauf in scharf geheizte Räume (60 bis 80° C.) eingetragen. Wenn man nun dieses Material auf dem Wolf behandelt, so sondert sich die vegetabilische Faser leicht aus, aber die Wolle behält einen penetranten unangenehmen Geruch.

Es sind aber diese Methoden keineswegs die einzig angewendeten, vielmehr bestehen deren noch andere und wir wollen hier einige der bekannt gewordenen berühren. Newman sucht bei Ausführung der ersteren Methode die Wollfaser vor jeder Einwirkung der Säure dadurch zu schützen, daß er die Lumpen zuvor mit schwefelsaurer Thonerde- oder Alaunlösung (1 bis 5 Th. auf 100 Thl. Wasser) imprägnirt und dann in eine warme Seifenlauge taucht (1,5 bis 7,5 Th. auf 100 Th. Wasser). Nun bringt er das Zeug so vorbereitet in das Schwefelsäurebad und überläßt es einige Zeit der Wirkung desselben. Darauf überläßt er es der Einwirkung einer Temperatur von 95° C. Die Wollfaser erhält sich dabei recht gut, während die vegetabilische Faser sehr energisch zerstört wird. Böttger schlägt ebenfalls für Wohlerhaltung der Wollfaser ein Mittel vor, welches nachträglich wirkt. Nachdem man nämlich die Lumpen mit dem Säurebade behandelt hat, soll man ein Sodabad anwenden. Dasselbe beseitigt nicht sowohl alle Säure, sondern die dabei ausgetriebene, entweichende Kohlensäure lockert auch das Fasermaterial sorgfältig auf, was für das Product nicht unwichtig ist. Schaller bemißt die Dauer des Schwefelsäurebades auf 12 Stunden und die Zusammensetzung desselben auf 3 Procent 66grädiger Schwefelsäure und 97 Procent Wasser. Sollte dieses Bad noch nicht genügend gewirkt haben, so unterwirft man die Lumpen der Wirkung einer Hitze von 60 bis 70° C. Durch solche Behandlung werden die Vegetabilien zerreiblich. – Fenton's Patent von 1853 schlägt ein Einweichen der gemischten Stoffe in Säurebäder vor, und Anwendung höherer Temperatur. Nach Behandlung mit alkalischen Laugen folgt Ausspülen und Trocknen. Wir sehen also, daß dieser Vorschlag die weiteste Einführung genossen hat. – Merkwürdig und sonderbar erscheint eine von Rowley mitgetheilte Methode, die Einwirkung des Säurebades durch Trocknen in heißer Luft zu erhöhen, sodann aber die Lumpen in Kästen mit Sand einzubetten und längere Zeit darin zu belassen. Nach dem Herausnehmen werden sodann die Lumpen in Drahtsieben oder Drahtcylindern vom Sande befreit.

Es ist die Operation der Trennung vegetabilischer und animalischer Fasern gewissermaßen ein chemischer Entfaserungsproceß der Lumpen, welcher jedoch keine Anwendung finden kann, wenn die Lumpen aus reiner