Text-Bild-Ansicht Band 199

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Wolle bestehen. Dann muß die mechanische Behandlungsweise eintreten.

Die zu Anfang dieser Industrie herrschende Handarbeit für das Entfasern der Wolllumpen ist mit dem Momente verdrängt worden, als die Kunstwollindustrie Bedeutung und Platz in der Großindustrie gewann. An ihre Stelle ist Maschinenarbeit getreten. Die Maschinen zur Ausführung dieses Processes sind aber meistens nicht von Maschinenbauern oder Ingenieuren erfunden, sondern vielmehr durch die Kunstwollfabrikanten selbst. Jeder von ihnen hat dann seine Maschine wieder geheim gehalten und so kommt es denn, daß heutigen Tages viele verschiedene Constructionen von Kunstwollmaschinerien existiren. Die Principien dieser Maschinen treffen jedoch bei allen zusammen. Das lag in der Idee des zu lösenden Problemes. Die geschnittenen Lumpen sollten zur Wiedergewinnung der Wolle benutzt werden, folglich mußte aus ihnen die Wolle heraus gelöst werden und dieß konnte wieder nicht anders als durch Zerreißen der Gewebe und Gespinnste bewerkstelligt werden. Zum Zerreißen der kleinen Lumpenstückchen dienen die sogenannten Reißwölfe, von denen uns Constructionen vorliegen von Busson in Paris, Bertier in Paris, Martin in Vienne (Isère), Thomassett und Gebrüder Raydet in Tullins (Isère), von Hartmann in Chemnitz, von Buchholz in Werdau, Arend und Beselin in Dessau, Houget und Teston in Verviers, Thomas Chadwick in Batley (Yorkshire), ferner von Boutron, Vaudelin, Milner, Balp und Blaquière, Lyon-Cremieux, Portefacq-Ramondène, Garnett, Thibaut, La Peyrouse, Lanoa, Köster, Dessart, Christian, Brunet, Delay, Platt, Boullough u.a. Wir wollen die gebräuchlichsten dieser Constructionen betrachten, jedoch nicht ohne vorher darauf aufmerksam gemacht zu haben, daß man in vielen Fabriken die Lumpenstückchen zunächst in einen Klopfwolf, dessen Cylinder mit hölzernen Stabzähnen versehen ist, vom Staube möglichst reinigt und sie dann erst dem Reißwolfe vorgibt. Der Reißwolf von Chadwick ist nun folgender Art construirt: In einem starken Maschinengestell ist der Tambour von circa 1 Meter Durchmesser in festen Lagern aufgebracht. Er ist auf seiner ganzen Mantelfläche mit Reihen Zähnen versehen; die Zähne zweier oder dreier auf einander folgender Reihen stehen in Versatz und die Durchmesser der Zähne werden gleich genommen den Lücken zwischen je zwei oder drei Zähnen in den Reihen. Die Zähne, Fig. 1 (Tab. II), von runder Basis spitzen sich nach oben zu, aber nur von zwei Seiten, während die dritte und vierte Seite breit abgeplattet erscheinen. Vor dem Tambour liegt der in einer Coulisse verschiebbare Speiseapparat vor.