Text-Bild-Ansicht Band 199

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Substanzen versetzt, um mehr Klebekraft hervorzubringen und so gewissermaßen die Fasern zusammenzukleben. Aus solchen Garnen haben wir zwischen 30 bis 50 Procent Verlust beim Waschen derselben ohne große Anstrengung erhalten, bestehend in 15 bis 20 Procent Fett-, Harz- und damit zusammenhängenden Staubsubstanzen, und 15 bis 30 Proc. an Faserstoff, welcher also nur durch die Vermittelung des Fettes an dem Faden klebte. Es wird mit diesen Garnen zum Theil ein trauriger Schwindel betrieben, welcher nicht genug zu beklagen ist, weil er dazu gedient hat, der gesammten Spinnerei fast den soliden Boden zu entziehen. Unter 52 von uns untersuchten Proben von Garnen der verschiedensten Spinnereien fanden wir nur acht ohne Zusatz von Mungo, und in diesem Verhältniß, kann man mit Recht behaupten, hat die Solidität der Spinnereiproducte und der Gewebe abgenommen und zwar in einem viel höheren Maaße, als die Billigkeit der Producte zugenommen hat.

Im Allgemeinen richtet man sich also nach der Faserlänge der Kunstwolle, wenn es sich um Ermittelung des nöthigen Procentgehaltes an Naturwolle handelt. Für die Streichgarnspinnerei kann man sich den Normalnummercylinder für die einzelnen Nummern der Garne hergestellt denken aus 40 Haaren von x Durchmesser und circa 30 Millimeter Länge. Diese Größen müssen im Normalfaden an jeder Stelle im Durchschnitt aufzufinden seyn. Die Enden der einzelnen Haare aber vertheilen sich auf den Raum von 30 Millimeter und es gleicht sich die Haltbarkeit über diesem Raume aus. Wollte man nun aus Mungo von 10 Millimeter Länge einen Normalfaden bei 40 Haaren im Durchschnitt herstellen, so erhielte man auf 30 Millimeter Länge drei Mal 40 Haarenden und Ansätze. Ferner, haben wir bei Streichgarn von Nr. 3 z.B. per 30 Millimeter neun Drehungen zu geben, so würden sich diese neun Drehungen auf die Länge des Haares von 30 Millimeter Naturalwolle vertheilen. Bei der Kunstwolle würden sich diese neun Drehungen auf drei Mal Faserlänge von 10 Millimeter vertheilen, somit für jede Faser nur drei Drehungen; die Haltbarkeit des so gebildeten Fadens könnte unter sonst gleichen Umständen nur 1/8 von der betragen, welche dem Naturalwollfaden eigen ist. Will man nun der normalen Haltbarkeit bei einem Kunstwollfaden nahe kommen, so könnte das durch schärfere Drehung geschehen; allein die Haltbarkeit, d.h. hier Dehnbarkeit des Fadens, nimmt von der Normaldrehungszahl an Festigkeit ab. Um aber hier in diesem Falle den Kunstwollfaden auf die Festigkeit des Normalfadens zu bringen, müßte man drei Mal so viel Drehungen geben, also 27 auf 30 Millimeter. Von neun Drehungen per 30 Millimeter ab