Text-Bild-Ansicht Band 199

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dahin aus, daß bei der Vergünstigung welche Reis und Reisstärke bei der Einführung in den Zollverein habe, und bei der Vorzüglichkeit der Reisstärke für gewisse Arten von Appreturen, dieselbe im Laufe der Zeit sehr wohl mit der Weizenstärke werde concurriren können. (Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, 1870, S. 143.)

Analyse des Reisbieres aus der „Rheinischen Bierbrauerei“ in Mainz; von A. Metz.

Die unter theilweiser Verwendung von Reis erzeugten Biere haben sich in jüngster Zeit unzweifelhaft ein Terrain erworben, das sich rasch noch weiter auszubreiten verspricht.45) Der specifische Charakter des Reisbieres hat etwas sehr Angenehmes; unterschieden vom reinen Malzbier, kann man es gleichwohl nicht weinig nennen; es besitzt eine Feinheit des Geschmackes, die ihm täglich neue Anhänger zuführt. Für Bayern traten die bisherigen Ausschlagsverhältnisse der Reisbier-Brauerei hindernd entgegen; an dem eingeführten Reisbier gewahren wir jedoch, daß dasselbe auch dem sonst heiklichen und in solchen Dingen competenten bayerischen Gaumen vortrefflich mundet.

Der Verf. fand sich hiernach veranlaßt, ein Reisbier zu analysiren, und wählte dazu das sehr gut renommirte Bier aus der „Rheinischen Actien-Brauerei“ in Weisenau bei Mainz, welches sich eines umfangreichen Consums erfreut.

Zufolge der Mittheilung der genannten Firma wurde zur Erzeugung dieses Bieres eine Mischung von 40 Centnern Malz auf 8 Centner Reis, also eine Schüttung von 5/6 Malz und 1/6 Reis verwendet.

Das Bier besaß eine außergewöhnliche Klarheit, war glanzhell und von sehr lichter Farbe. Eine colorimetrische Bestimmung nach E. Leyser's Verfahren ergab, daß eine Mischung von 1,2 Kubikcentimeter Zehntel-Normal-Jodlösung und 100 Kubikcentimetern Wasser in der Farbentiefe mit dem Reisbier übereinkam Münchener Biere haben im Mittel etwa die Färbung eines Gemisches von 3 bis 3,5, Weihenstephaner Bier sogar 4,9 Kubikcentimeter der Jodlösung auf 100 Kubikcentim. Wasser.

Der Geschmack des Mainzer Bieres war sehr lieblich, eigenthümlich mild. Das Bier moussirte stark, hielt aber die Kohlensäure energisch zurück. Sein specifisches Gewicht betrug 1,0238.

Die Analyse des Mainzer Bieres, welche in unserer Quelle beschrieben ist, gab folgende Resultate.

Zusammensetzung des Bieres.

Alkohol 3,65 Proc.
Zucker
Dextrin
Proteinoide
unorgan. Bestandtheile (mit 0,0775 Phosphorsäure)
Differenz der Analyse
1,63
5,13
0,37
0,22
0,01


7,36 Proc.
Extract.

Procentische Zusammensetzung des Extractes.

Zucker 22,15
Dextrin 69,70
Proteinoide 5,03
Asche (mit 1,05 Phosphorsäure) 2,99
–––––
99,87

C. Prandtl hat vor einiger Zeit 21 Münchener Biere auf ihre Hauptbestandtheile untersucht polytechn. Journal, 1868, Bd. CLXXXIX S. 396). Eine Zusammenstellung des summarischen Ergebnisses dieser Untersuchung mit der gegenwärtigen Analyse dürfte geeignet seyn, von dem allgemeinen Charakter des Reisbieres ein Bild zu entwerfen. Die Zusammenstellung gestaltet sich nun in folgender Weise:

45)

Man sehe: Belohubeck über die Erzeugung von Reisbier im polytechn. Journal, 1870, Bd. CXCVII S. 370.