Text-Bild-Ansicht Band 190

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Das Verfahren von I. Nicklès lieferte einen gelb gefärbten schwefelsauren Baryt, dem sich die letzten Reste anhängenden Eisenoxydsalzes nicht völlig entziehen ließen, aus dessen Menge sich ein Schwefelgehalt von 0,491 Proc. in demselben Roheisen berechnete.

Es ist selbstverständlich, daß sich bei der Anwendung des von mir im Vorhergehenden besprochenen Verfahrens mit Leichtigkeit unter einem auch die Bestimmung des Phosphorgehaltes wird ausführen lassen, so wie daß für Fälle, wo es auf hochgradige Genauigkeit nicht ankommt, auch eine Bestimmung des Siliciumgehaltes sich nebenbei ohne wesentliche Schwierigkeit erreichen lassen wird.

XXXVII. Ueber galvanische Fällung des Eisens; von Dr. Carl Stammer.

Die ersten auf galvanischem Wege erzeugten Eisenplatten waren meines Wissens — übereinstimmend mit Bouilhet's Angabe in diesem Journal Bd. CLXXXIX S. 478 (zweites Septemberheft 1868) — die, welche Hr. Liet erhielt. Dieselben waren Abdrücke von, zum Zwecke des Fayencebedruckens vertieft gestochenen Kupferplatten und wurden in der Fayencefabrik des Hrn. Boch in Siebenbrunnen bei Luxemburg nach einem Verfahren dargestellt, welches damals patentirt werden sollte. Eine solche Eisenplatte kam in meinen Besitz; sie war von vorzüglichster Beschaffenheit und wurde von mir im Jahre 1849 in Liebig's Laboratorium in Gießen untersucht. Da der Erfinder des Verfahrens Liet dasselbe geheim hielt, so interessirte ich mich damals nur für die chemische Seite der Sache und namentlich für die Frage, ob auf diesem Wege reines Eisen in zusammenhängender Form dargestellt werden könne. Die Analyse ergab allerdings nur äußerst geringe Spuren Kohlenstoff in dem, übrigens außerordentlich harten und ziemlich spröden Eisen, so daß es meines Erachtens keinem Zweifel unterlag, daß man durch Anwendung solcher galvanisch erzeugter Platten als Anoden beim zweiten oder dritten Niederschlage reines Eisen in Platten werde erhalten können. Ich machte später noch einen Versuch, dieses Eisen durch Glühen in Kohlenoxydgas zu kohlen, welcher auch den erwarteten günstigen Erfolg lieferte, indem das Metall darnach alle Eigenschaften des besten Stahles erkennen ließ und namentlich die für seine Benutzung so nachtheilige Sprödigkeit verloren hatte.