Text-Bild-Ansicht Band 190

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Ebenso hat es sich herausgestellt, daß man kaum einer größeren Kraft bedarf, um Räder mit Kautschukbandagen über schlechte Wege oder lockeren Kiesboden zu ziehen, als wenn sie sich über das beste Pflaster bewegten; dieß ist in dem Umstande begründet, daß sie nicht einsinken und die Steine nicht eindrücken.

Zu Leith wurden Versuche mit der neuen Straßenlocomotive auf weichem Grasboden angestellt, wo ein gewöhnlicher Dampfwagen unbedingt eingesunken wäre. Erschien es schon merkwürdig, daß sie durch das Gras lief ohne eine Spur zurückzulassen, so wurde das Erstaunen der Zuschauer noch größer, als sie an eine Stelle kam, wo das Feld kurz vorher 1–2 Fuß hoch mit lockerer Erde bedeckt worden war, und gerade hindurch und wieder zurück über den tiefen weichen Boden lief. Diese Maschine hat ein Gewicht von vier bis fünf Tonnen und doch hatten die Räder den lockeren Boden so wenig comprimirt, daß man einen Spazierstock ohne Anstrengung tief in die Radspur eindrücken konnte.

Es ist klar, daß nun eine Hauptschwierigkeit beim Pflügen mit Dampfmaschinen gehoben ist, denn diese Straßenlocomotive geht mit Leichtigkeit durch jedes, selbst frisch umgepflügte Feld.

Nach verschiedenen Fahrten und Schwenkungen, welche bewiesen, daß diese Maschine auch an Plätzen verwendbar ist, wo der gebahnte Weg aufhört, brachte man sie auf die Stadtstraße und hängte ihr einen großen mit Passagieren besetzten Omnibus an, mit welchem sie längs Bonnington-road nach der Mühle der HHrn. Gibson und Walker fuhr; dort wurde ihr ein großer Wagen angekettet, welcher mit seiner Mehlladung fast zehn Tonnen wog, und sie setzte ihren Weg bei Stellenweiser Steigung von 1 bis zu 20 trotz den Schwierigkeiten fort, welche die abschüssige Straßenfläche voll Gruben und Fahrgeleisen darbot. Allen Anwesenden drängte sich die Ueberzeugung auf, daß die Straßenlocomotive weit mehr zu leisten vermag, als man ihr bei diesen Probefahrten zumuthete.

Das Angreifen der Räder auf der Straßenoberfläche mußte überraschen, und es war merkwürdig anzusehen, wie leicht die Locomotive auf ihren weichen, elastischen Radreifen dahinschwebte. Wenn man auf ihr steht, so hat man das Gefühl als fahre man über einen weichen Grasplatz; man hört nicht das geringste Knarren. Bei diesem sanften Gange bleibt die Locomotive von den Unfällen verschont, welchen die Maschinen mit den bisher gebräuchlichen eisernen Rädern durch die Stöße ausgesetzt sind.

Die Kautschuk-Bandagen sind außerordentlich dauerhaft; man bemerkt an denselben, so unglaublich es scheinen mag, bis jetzt keine Abnutzung;