Text-Bild-Ansicht Band 187

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und bindet die giftigen Schweinfurter Farben, wodurch sie nicht abstäuben können, und macht sie dadurch ganz unschädlich. Aber auch zum Ueberziehen von Holzschnitzarbeiten wäre diese alkoholische Wachslösung der Wachslösung in Terpenthinöl vorzuziehen, da sie nicht wie letztere stark klebend und riechend ist. Auch kann sie zum Auffrischen von Parquett-Fußböden dienen. (Hamburger Gewerbeblatt, 1867, Nr. 48.)

Ueber natürliche Anilinfarbstoffe; von Martin Ziegler.

Es dürfte jetzt, wo die Anilinfarben in der Technik eine so bedeutende Rolle spielen, nicht ohne Interesse seyn zu vernehmen, daß einige dieser Farben – das Violett und das Roth – auch in der Natur vorkommen. Im Mittelmeere und im atlantischen Ocean, an Portugals Küsten, kommt eine zur Gruppe der Rückenkiemer (Notobranchiata) gehörende Gasteropodenspecies der Familie Aplysiacea, Aplysia depilans L., Seehase, vor, welche aus einem unter ihrem Mantellappen gelegenen blasenartigen Organe ein flüssiges Anilinroth und Anilinviolett von hohem Concentrationsgrade absondert. Dieser Anilinfarbstoff ist für die Thiere eine zweifache Vertheidigungswaffe, insofern sie durch das Ausspritzen desselben das Wasser trüben und dadurch sich vor ihren Feinden zu verbergen im Stande sind; dann weil diese Farbe die giftigen Eigenschaften des Anilins besitzt und einen dem Mollusk eigenthümlichen, widrigen Geruch entwickelt.

Schon im Alterthume war dieses Thier den Naturforschern bekannt. Im Jahre 1828 machte Baron Férussae darauf aufmerksam, wie rasch sich der gedachte Farbstoff zersetzt, sobald er von dem Thiere ausgespritzt worden ist. Er bemerkte, daß sich diese Zersetzung verzögern und selbst gänzlich verhindern läßt, wenn man der Flüssigkeit etwas Schwefelsäure zusetzt. Cuvier war der Ansicht, daß dieser Farbstoff der ächte Purpur der Alten sey. Und wirklich, die Geschichte von dem Hunde, welcher sich beim Zerbeißen eines solchen Thieres die Schnauze roth färbte, hat in Bezug auf ein großes fleischiges Mollusk mehr Wahrscheinlichkeit für sich, als in Bezug auf eine Schnecke (Murex seu Phyllonotus trunculus), in welcher der Farbstoff nicht einmal vollständig entwickelt ist. Der vorn in einen Hals verschmälerte Körper der Aplysia depilans endet hinten spitz; zwei seitliche Mantelfortsätze schlagen sich vom Fuße zum Rücken aufwärts; zwischen diesen liegen rechts, auf der Mitte des Rückens, die Kiemen, von einem am rechten Rande freien Mantellappen und einer in diesem letzteren enthaltenen hornigen Schalenplatte bedeckt; zwei Fühler (Tentakeln) stehen am Munde neben der Unterlippe, zwei dergleichen geschlitzte, wie Ohren, im Nacken (woher die Bezeichnung Seehase), und vor denselben befinden sich die Augen. Die Farbe des Thieres ist schwarz, mit grauen Flecken. Seine Breite beträgt im ausgewachsenen Zustande sechs bis acht Zoll. Die Italiener nennen es cesto di mare, die Catalonier „das Gehörnte;“ die Franzosen lièvre de mer.“ Es nährt sich von Meeresalgen und existirt an der portugiesischen Küste in so großen Mengen, daß, wenn die Thiere durch einen Sturm an das Gestade geworfen werden, durch ihre Fäulniß die Luft so verpestet wird, daß die Umwohner die Entstehung epidemischer Krankheiten befürchten. Demnach würde es leicht seyn, den Farbstoff im großen Maaßstabe zu gewinnen, denn es gibt Exemplare des „Seehasen,“ welche bis zu 2 Grammen reiner, trockener Farbe geben.

Ungeachtet aller Sorgfalt beim Ausdrücken des blasenförmigen Organs ist der Farbstoff stets von anderen organischen Stoffen begleitet, welche nach Verlauf einiger Stunden in Zersetzung übergehen, wodurch das Roth erst in Capucinerbraun, dann in Gelb und das Violett in Braun verwandelt wird. Indessen gelang es mir, Férussac's Angabe zufolge, nach Zusatz von einigen Tropfen Schwefelsäure den Farbstoff in folgender Weise zu isoliren. Ich sammelte den durch die Säure niedergeschlagenen Farbstoff auf einem Filter, behandelte den teigartigen Niederschlag mit Alkohol, filtrirte die weingeistige Lösung und fällte sie nochmals durch Chlornatrium. Der dadurch entstandene Niederschlag ist sehr reines Anilinviolett, welches alle Reactionen des käuflichen Anilinfarbstoffes gibt. So z.B. wird es durch concentrirte Schwefelsäure in ein schönes Blau verwandelt, welches durch Zusatz von destillirtem Wasser wieder zu Violett wird. – Die von dem durch Chlornatrium erzeugten Niederschlage