Text-Bild-Ansicht Band 187

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Bewahrt man dieses Hydrat unter Wasser auf und untersucht es dann nach mehreren Stunden oder nach Verlauf eines Tages, je nach der Temperatur der Atmosphäre, von Neuem, so bemerkt man, daß seine Eigenschaften sich verändert haben; in concentrirter Salpetersäure ist es nicht mehr löslich, wohl aber in Chlorwasserstoffsäure und in Aetzkali, und der Niederschlag, welchen ein Ueberschuß des letzteren hervorbringt, erscheint nicht mehr krystallinisch (Hydrat Nr. 2).

Dieses neue Hydrat zeigt nach Verlauf von fünf bis sechs Tagen wiederum eine Veränderung seiner Eigenschaften; nicht allein ist es jetzt in Salpetersäure unlöslich, sondern es wird durch diese Säure sogar aus seiner Lösung in Aetzkali gefällt, und ist auch in Chlorwasserstoffsäure vom stärksten Concentrationsgrade unlöslich. (Hydrat Nr. 3.)

Hierauf beginnen die Eigenschaften der Metazinnsäure aufzutreten (Hydrat Nr. 5). Die Hydrate Nr. 2 und 3 werden in Gegenwart von Alkalichloriden, in concentrirter Chlorwasserstoff- und Salpetersäure löslich; das Metazinnsäurehydrat dagegen löst sich unter diesen Verhältnissen in beiden Säuren nicht und unterscheidet sich dadurch von den anderen Hydraten. Gleichzeitig liefert diese Eigenschaft den Beweis, daß die Hydrate Nr. 2 u. 3 wirklich neue, selbstständige Verbindungen, und nicht Gemenge von Zinnsäure und Metazinnsäure sind; denn man braucht nur die erstere mit einer geringen Menge der letzteren zu versetzen, das Ganze in Aetzkali zu lösen und concentrirte Chlorwasserstoffsäure (besser aber Salpetersäure, nach vorgängigem Zusatze einiger Tropfen Chlorwasserstoffsäure) hinzuzufügen, um einen Niederschlag zu erhalten, was bei den Hydraten Nr. 2 und 3 nicht der Fall ist.

Durch Behandlung dieser Hydrate mit Kali lassen sich Zinnsäuresalze darstellen, deren Gehalt an Zinnsäure (SnO², HO) bei derselben Menge der Basis im Verhältnisse von 1 : 2 : 3 : 5 zu einander steht, so daß man zwischen die beiden bereits länger bekannten Hydrate: SnO², HO und Sn⁵O¹º, 5 HO die Verbindungen Sn²O⁴, 2 HO und Sn³O⁶, 3 HO einschalten kann.

Schiff und Tschermak haben ein zinnsaures Zinnoxydul analysirt, für welches sie die Formel SnO, Sn⁶ + O¹² + 3 HO (oder 4 HO) geben. Weber und H. Rose stellten ein zinnsaures Kali, KO, Sn⁷ O¹⁴ + 3 HO, dar, indem sie eine Lösung von Metazinnsäure in Chlorwasserstoffsäure mit soviel Aetzkali versetzten, daß der entstandene Niederschlag wieder gelöst wurde, und dann Alkohol hinzufügten. Damit würde die Anzahl der Zinnsäurehydrate sechs betragen und diese würden eine ähnliche Reihe bilden, wie die von Wurtz in seinen Leçons de Philosophie chimique aufgestellte Reihe der Kieselsäurehydrate, nämlich: