Text-Bild-Ansicht Band 184

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und setzt man zur Ersparung von Brennmaterial 4 Tiegel zugleich ein. Die Anwendung von Gebläse empfiehlt sich nicht, denn was man an Zeit erspart, geht durch Mehrverbrauch an Kohks verloren; wenn der Ofen sonst gut angelegt ist, genügt der natürliche Zug durch den Schornstein. Eine Hauptbedingung ist, wie schon erwähnt, die möglichst hohe Temperatur, mit der das flüssige Eisen in die Form gelangen muß; diesen Grad richtig bemessen zu können, erfordert entsprechende Praxis. Der Gießer erkennt das richtige Maaß, wenn von einem in den Tiegel getauchten rothwarmen Eisenstabe beim Herausziehen das Metall sternschnuppenartig abspringt. Man hebt dann den Tiegel mittelst einer denselben umfassenden Zange aus dem Ofen heraus und beginnt möglichst rasch, nach vorherigem Putzen, das Gießen. Hierbei sey Einiges über das Formen selbst erwähnt, was bei den verschiedenen, mitunter sehr kleinen und dabei schwierigen Gußstücken bedeutende Sorgfalt erfordert. Kleine Stücke, wie Schlüssel, Schloßtheile, Theile zu Nähmaschinen etc., werden unter einander „angeschnitten,“ so daß sie also einen gemeinschaftlichen Einguß haben, von dem man sie nach dem Erkalten abschlägt.

Beim Einformen eines größeren und complicirteren Modelles hat man sich vorher genau zu überlegen, wo man sogenannte „Sauger“ anzubringen hat; diese bilden gewissermaßen Reservoire, füllen sich beim Gießen mit Eisen an, und es saugt das erkaltende Gußstück daraus nach. Verabsäumt man dieß, so entstehen an den Stellen, wo Sauger nothwendig gewesen wären, Risse, oft so klein, daß man sie nicht bemerkt, welche aber beim Glühen zum Vorschein kommen. Sauger muß man an den Warzen von Hebeln, in den Ecken gebogener Stücke etc. anbringen, überhaupt an den Stellen, wo sich die Dimensionen schnell ändern; man hüte sich aber, sie kurz nach dem Gießen abzuschlagen, sondern lasse das Stück recht abkühlen, sonst brechen sie leicht aus und schänden den Guß.

Die Formkästen stellt man entweder ganz vertical oder stark geneigt. Die erstere Stellung wendet man bei kleinen Flaschen durchweg an; es werden deren 4 bis 6 mittelst Zwingen zusammengeschraubt und auf die hohe Kante so gestellt, daß sämmtliche Eingüsse nach oben stehen.

Das Formen muß sehr sauber geschehen, damit das Fabricat ein glattes Ansehen erhält und ein Putzen nach dem Glühen möglichst umgangen werden kann.

Der letzte Proceß ist das Glühen, wodurch der Guß die Eigenschaften des Schmiedeeisens erlangt; vordem verhält er sich analog dem Stahle.

Das Verfahren besteht darin, daß man die Gußstücke, eingepackt in Rotheisensteinpulver, in gußeisernen Kästen, Muffeln genannt, längere