Text-Bild-Ansicht Band 184

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Zeit glüht. Früher war man der Ansicht, daß nur runde Muffeln dazu vortheilhaft wären; doch wendet man jetzt einfache, viereckige gegossene Kästen von circa 1 Zoll (26 Millimet.) Wandstärke an, oben mit Deckel verschließbar, so daß der Inhalt von der Atmosphäre abgeschlossen bleibt.

Beim Einpacken wechseln Schichten von Rotheisensteinpulver und Gußstücken mit einander ab, und bildet das erstere die erste und letzte Schicht.

Der Glühofen ist einfach construirt; vorn befindet sich die Rostfläche, und zieht die heiße Feuerluft um die im hinteren Raume des Ofens stehenden Kästen; ein Schieber an der Seite gestattet das Glühen im Inneren zu beobachten.

Das Feuern muß mit großer Sorgfalt geschehen, im Anfange etwas scharf, um bald einen gewissen Grad von Hitze zu erreichen; dann aber muß in regelmäßigen Zwischenräumen nachgeschürt werden. Das Glühen währt 3, auch 4 und 5 Tage, je nach den Stücken, welche man eingesetzt hat, und faßt ein Ofen immer 7 bis 9 Ctr. Guß.

Beim Einpacken der Kästen muß man beobachten, daß schwache und starke Stücke nicht zusammenkommen, und im Ofen selbst müssen die Muffeln mit den starken Gußstücken dem Feuer am nächsten, die schwachen mehr im Hintergrunde eingesetzt werden, denn sonst verbrennt entweder das eine, oder das andere wird nur halb geglüht und bildet dann ein Zwischending von Stahl und Schmiedeeisen.

Glaubt man lange genug geglüht zu haben, so hört man mit Feuern auf, läßt die Kästen allmählich abkühlen, packt sie dann aus und putzt nach Bedarf die Stücke ab. Bei dem Proceß des Glühens spielt die Praxis auch eine große Hauptrolle, und kann der richtige Grad der Glühhitze nur durch die Ausführung selbst erlernt werden.

Das Kostspieligste sind die gußeisernen Kästen, welche oft schon nach einmaligem Gebrauche zur weiteren Verwendung sich nicht mehr eignen. Das Rotheisensteinpulver kann, jedesmal mit frischem vermischt, öfter benutzt werden.

Obwohl die vorzüglichen Eigenschaften des schmiedbaren Gusses, welcher doch dem Schmiedeeisen gleichgestellt werden kann, schon oft erwähnt wurden, hat er noch immer nicht die gebührende Anerkennung und Verwendung gefunden. Noch eine Menge Stücke werden in den verschiedenen mechanischen Werkstätten mit viel Mühe und Kosten aus Schmiedeeisen gefertigt, welche, aus schmiedbarem Gusse hergestellt, ebenso haltbar und dabei billiger wären. Natürlich bezieht sich das auf solche Theile, welche oft ausgeführt werden und so die Kosten für gute Modelle (die aber stets nach doppeltem Schwindmaaß auszuführen sind) bezahlen.