Text-Bild-Ansicht Band 176

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befand, wo die Trägheit der Massen mit im Spiel war, und wovon mannichfache Beispiele in den Lehrbüchern der Physik aufgezählt werden.

Bei meinen zahlreichen Versuchen über die submarinen Minen habe ich einem ähnlichen Fall begegnet, welchen ich als interessant hier erwähne. Auf meinen Vorschlag hatte man zu Kronstadt eine Art Ponton mit dicken Balken construirt, die sehr fest an einander gefügt waren. Indem man dort unter dem Niveau des Wassers einen Kasten befestigte, welcher mit 20 Pfund Kanonenpulver gefüllt war, wurde durch die Explosion dieses Pulvers das Ponton gehoben, welches mit einer beträchtlichen Quantität Ballast gefüllt war, um ihm die nöthige Stabilität bei mehreren Arschinen über dem Wasser zu sichern, und erhob eine große Menge Wassers. Als die Beschädigung reparirt worden war, füllte ich den Kasten mit 3 3/4 Pfund Schießbaumwolle. Die Wassergarbe, welche durch die Explosion gehoben wurde, war von sehr regelmäßiger Gestalt, aber noch beträchtlicher als bei den vorhergehenden Versuchen. Was aber die anwesenden Personen am meisten in Erstaunen setzte, ist, daß das Herausschleudern des Wassers durch die Explosion sehr unbedeutend war, und daß bis zu dem Augenblicke, wo die Garbe wieder abwärts floß, das Ponton in der vollkommensten Ruhe blieb, als ob ihm nichts begegnet wäre. Da die Explosion der Schießbaumwolle lebhafter und momentaner war, als bei dem gewöhnlichen Kanonenpulver, so muß man diesem Umstande die Verschiedenheiten zuschreiben, welche sich bei diesen zwei Versuchen zeigten.

Der Signalapparat, dessen ich mich bediente, bestand zuerst aus einem Elektromagneten, der auf seine Armatur wirkte. Das Ausbleiben der Signale könnte sich daher dadurch erklären, daß die Dauer des Schließens der Kette und diejenige der Thätigkeit des Stromes zu kurz gewesen sey, um die Trägheit der Armatur zu überwinden. Ich hielt es deßhalb für passender, einen Multiplicator mit leichter und empfindlicher Nadel zu nehmen, und die Kraft der Batterie zu verstärken; da man aber auch durch dieses Mittel nicht das gewünschte Resultat erhielt, so muhte man sich von der Trägheit des Signalapparates unabhängig machen, und zu chemischen Signalen seine Zuflucht nehmen, wobei es leicht war, 50–60 Zeichen per Secunde vermittelst eines Unterbrechers zu machen. Ungeachtet aller dieser Vorsichten erlangte ich jedoch nur in seltenen Fällen Signale. Ich sah dann ein, daß es sich hier nicht um die Trägheit des Signalapparates handelte, sondern um die Trägheit der Bolzen. Da der Stoß von zu kurzer Dauer ist, so hat der Bolzen, welcher durch die Kugel erreicht wurde, nicht Zeit irgend eine Bewegung zu machen. In der That hätte eine Verrückung von 1/50–1/100 Zoll