Text-Bild-Ansicht Band 175

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die Preßcylinder, statt aus Gußeisen, aus schmiedeisernen Röhren oder übereinander gezogenen und zusammengeschweißten Ringen, nach Art der Armstrong-Kanonen zu construiren, ferner zweckmäßigen Anordnungen der Injectionspumpen (mehrfache Kolben von verschiedenem Durchmesser), um bei der Zunahme des Widerstandes auch die Druckkraft vergrößern zu können, ist die heutige hydraulische Presse noch dieselbe, wie zur Zeit Bramah-Maudsley's, d.h. wie am Anfange dieses Jahrhunderts.

Dagegen hat sich seit Bramah ihr Anwendungskreis außerordentlich erweitert. Außer der weniger zu empfehlenden Benutzung zur Prüfung von Festigkeiten der Constructions-Materialien (Stäbe, Ketten, Seile, Steine etc.), weil noch kein Mittel existirt, auf eine völlig sichere Weise den resultirenden Druck (nach Abzug der Reibungen) direct zu messen, hat man die Presse bei der Rübenzucker-,24) Stearinlichte-, Oel-25) und Gummi-Fabrication mit entschiedenem Erfolge angewandt, ebenso zum Pressen von Röhren aus Blei, Zinn und Stahl, ferner beim Heben der beinahe 2000 Tonnen schweren Röhren der Britanniabrücke, beim Vomstapellassen des Great-Eastern u.s.w.

Eine ganz neue Sphäre von Verwendung der hydraulischen Presse eröffnete jedoch 1843 Armstrong durch die Construction und Einführung seiner Accumulatoren, Kraftsammler oder Apparate, welche gleichsam Vorraths-Magazine von Kraft bilden,26) die man zur Verrichtung mehr oder weniger intermittirend auftretender Arbeiten, vorzugsweise für Krahne, Aufzugsmaschinen bei bedeutenden Hubhöhen, Schiffswinden etc. mit entschiedenem Erfolge verwendete und die sich auch zu gewerblichen Zwecken nützlich machen lassen, wie die allerjüngste Zeit lehrt, wo sie bereits Eingang in den Oelfabriken und den Etablissements gefunden haben, worin man Holzstoff für die Papierfabrication erzeugt.

Einen sehr compendiösen Accumulator für die Injectionspressen der Oelfabriken, den der französische Mechaniker Lecointe in Saint-Quentin (Aisne) unter Nr. 1166 des französischen officiellen Kataloges der Londoner Industrie-Ausstellung vom Jahre 1862 producirte,27) zeigt Fig. 7.

24)

Die erste hydraulische Rübenpresse soll in Deutschland 1818 in der Maschinenfabrik von Nathusius zu Hundisburg bei Magdeburg gebaut worden seyn.

25)

Nach Barlow (in der Encycl. Metropolitana Abschnitt Manufactures,“ pag. 375) soll im Jahr 1821 ein Engländer Henry Plump die erste horizontale hydraulische Oelpresse in Bremen (?) erbaut haben.

26)

Beschrieben im polytechn. Journal Bd. CLIII S. 169.

27)

Bericht von Tresca über Classe VIII, pag. 712 in den Annales du Conservatoire Impérial, Tome III von 1862.