Text-Bild-Ansicht Band 175

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Konstitutionen zu wirken, sie neu zu kräftigen und zu beleben, und Krankheiten zu heilen, gegen welche die gewöhnlichen Mittel erfolglos bleiben.

Die wohlthätigen Eigenschaften der Mineralwässer liegen klar vor Augen; indessen gibt die Chemie keine Erklärung ihrer Wirkung.

Indem ich, in Uebereinstimmung mit allen Aerzten, von der Erfahrung ausgieng, daß alle Mineralwässer ohne Ausnahme erregend sind, daß dieß ihre erste Wirkung ist, und daß diese häufig so stark ist, daß Fieber entsteht, stellte ich mir die Frage, ob bei Erzeugung der beim Gebrauche der Mineralbäder beobachteten Wirkungen nicht die Elektricität eine Rolle spiele. Dieser Gedanke ist schon öfters ausgesprochen worden; das Wort Elektricität ist aber sehr unbestimmt: welche Elektricität soll gemeint seyn? Die Theorie erklärt die Thatsache für unmöglich; denn das Wasser kann, da es unaufhörlich mit Körpern in Berührung ist, welche gute Leiter der Elektricität sind, keine freie Elektricität behalten. Ungeachtet dieser Ueberzeugung stellte ich zahlreiche Versuche mit einem Goldblatt-Elektroskop an; ich stellte das Instrument über das aus der Quelle hervorströmende Wasser, sowie in das Wasser selbst; es zeigte sich niemals auch nur die geringste Spur von freier Elektricität. Damit wäre denn bestimmt nachgewiesen, daß die Mineralwässer keine freie Elektricität enthalten.

Nach diesen erfolglosen Versuchen entschloß ich mich, die von Becquerel d. Aelt. in seiner interessanten Abhandlung: Ueber die durch den Contact des süßen Wassers mit dem dasselbe umgebenden Erdreiche hervorgebrachten elektrischen Wirkungen befolgte Methode bei meinen Untersuchungen anzuwenden. Dieser Physiker sagt im Eingange seiner Abhandlung: „Man kann als Princip aufstellen, daß beim Contact der Erde mit einer Wasserfläche oder einem Wasserlaufe Elektricität erzeugt wird.“ Ich habe sämmtliche von ihm angegebenen Versuche wiederholt, und dabei bestätigt gefunden, daß das Wasser unter diesen Umständen, wenn es lufthaltig ist, einen beträchtlichen Ueberschuß von positiver Elektricität annimmt, und die Erde negativ ist.

Bei Anwendung eines gleichen Verfahrens auf die Mineralwässer fand ich, daß dieselben ohne Ausnahme beim Contacte mit dem benachbarten Erdreiche negativ sind.

Dem Seewasser widmete ich eine besondere Aufmerksamkeit; ich begab mich an die Küste des Oceans und überzeugte mich durch das Experiment, daß das Meerwasser gleich dem Wasser der Flüsse und Seen positiv ist.

Zu diesen Versuchen wendete ich ein Nobili'sches Galvanometer