Text-Bild-Ansicht Band 253

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Ueber die Beständigkeit von Hypobromitlösungen und ihre Anwendung zur Titration von Oelen.

Die Einwirkung von Natron auf Brom geht wie A. H. Allen im Journal of the Society of Chemical Industry, 1884 S. 65) berichtet, zuerst nach folgender Gleichung vor sich: 2NaOH + Br2 = NaBrO + NaBr + H2O. Nach einiger Zeit, besonders beim Erwärmen, tritt folgende Zersetzung ein: 3NaBrO + 3NaBr = NaBrO3 + 5NaBr. In Folge dieser Reaction wurden die Hypobromitlösungen bis jetzt immer als unbeständig bezeichnet. Es ergibt sich jedoch aus zahlreichen Versuchen, daſs die Lösungen, wenn sie eine genügende Menge freies Natriumhydrat enthalten, sich bei langem Aufbewahren und selbst beim Kochen nur wenig verändern. Die Beständigkeit der Hypobromitlösungen ist bei den Bestimmungen von Oelen oder Fetten in alkalischer Lösung von Wichtigkeit. Bei Bestimmungen in salzsaurer Lösung ist sie gleichgültig, da immer das gesammte Brom frei wird:

3NaBrO + 3NaBr + 6HCl = 6NaCl + 6Br + 3H2O und

NaBrO3 + 5NaBr + 6HCl = 6NaCl + 6Br + 3H2O.

Verfasser findet die merkwürdige bis jetzt unerklärte Thatsache, daſs bei allen Versuchen der durch Analyse gefundene Bromgehalt der Lösungen höher war als das aus der wirklich angewendeten Menge Brom berechnete:

I II III
Angewendetes Brom 12,432 12,929 12,44
Durch Titration gefunden 12,98 13,18 12,86.

Zur Gewinnung von Jod.

Bei der früher in Antofagasta üblichen Behandlung der Caliche-Mutterlaugen mit Natriumbisulfit wurden nur etwa 70 Procent des vorhandenen Jodes gewonnen (vgl. 1879 231 375). Loive und Weissflog (Génie civil, 1883/4 Bd. 4 S. 96) reduciren nun das in den Laugen neben Chlornatrium und salpetersaurem Natrium vorhandene jodsaure Natrium zunächst mit Schwefelcalcium und fällen das Jodnatrium mit Kupfersulfat und Natriumsulfit.

Zur Herstellung des Schwefelcalciums wird schwefelsaures Calcium mit Kohle in einem Drehofen geglüht. Das gebildete Schwefelcalcium zerfällt beim Kochen mit Wasser bezieh. der Lauge nach den Gleichungen: 2CaS + 2H2O = H2CaO2 + H2CaS2 und H2CaS2 = H2S + CaS. Der gesammte Schwefel wird also in Schwefelwasserstoff übergeführt und dieses reducirt das jodsaure Natrium: NaJO3 + 3H2S = NaJ + 3H2O + 3S. Nach vollendeter Reduction versetzt man die Lauge mit schwefelsaurem Kupfer und schwefligsaurem Natrium: 2NaJ + 2CuSO4 + Na2SO3 + H2O = Cu2J2 + 2NaHSO4 + Na2SO4. Das ausgeschiedene Kupferjodür wird gewaschen und getrocknet.

Pyrotartrylfluoresceïn.

Nach E. Hjelt (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1884 S. 1280) erhält man durch Erhitzen von 5 Th. Brenzweinsäure, 9 Th. Resorcin und 18 Th. Schwefelsäure auf 1500 leicht das Fluoresceïn der Brenzweinsäure. Wird die Schmelze mit verdünnter Salzsäure ausgezogen und das Fitrat mit Ammoniak neutralisirt, so fällt der Farbstoff als braunrothes Pulver C17H16O6 aus. Es ist schwer löslich in Wasser, leicht in verdünnten Säuren. Die alkalischen Lösungen sind im concentrirten Zustande roth, beim Verdünnen tritt die schöne gelb grüne Fluorescenz hervor. Die Lösung des Farbstoffes in Ammoniak gibt mit Kupfersulfat einen braunen Niederschlag, welcher aus einem basischen Kupfersalze besteht.

Werden die salzsauren Lösungen des Farbstoffes mit Bromwasser versetzt, so entsteht ein rother flockiger Niederschlag, das Pyrotartryleosin, B17H12Br4O6.