Text-Bild-Ansicht Band 253

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Tagen die gröſste Anzahl der überhaupt keimfähigen Samen im Keimbette zu entwickeln pflegen, wurde dieses bei den Weinbeeren, wie bei den Samen vieler Bäume und Sträucher, erst nach Verlauf mehrerer Wochen und selbst Monate erreicht. Die Samen hochedler Weinsorten scheinen ein schwächeres Keimungsvermögen zu besitzen als diejenigen gemeinerer Sorten. Frisch den Beeren entnommene, gut gereifte Traubenkerne keimten am besten, dagegen hatten an der Luft stark getrocknete Weinbeersamen an ihrer an sich geringen Keimkraft Einbuſse erlitten. Auch Nachreife der Samen in den Beeren bis zum rosinenartigen Eintrocknen der letzteren übte eher einen nachtheiligen Einfluſs auf die Lebenskraft. Temperaturerhöhung des Keimbettes über 18° bis 20° hinaus (bis zu 25 und 30°) war ohne förderlichen Erfolg. Eine schwache Gährung der Samen in den Trestern (2 bis 3 Tage lang) übte einen günstigen Einfluſs auf die Keimung der unmittelbar darauf ausgesäeten Traubenkerne eine 6 Tage lang andauernde Einwirkung dieser Vorgänge zerstörte die Keimkraft der Kerne vollständig.

Die Schwefelverbindungen des Natriums.

H. Böttger (Liebig's Annalen, 1884 Bd. 223 S. 335) sättigt zur Herstellung von Natriummonosulfid eine alkoholische Lösung von Natriumhydrat mit Schwefelwasserstoff und setzt dann unter Luftabschluſs die gleiche Menge alkoholische Natronlauge hinzu. Die durch Umkrystallisiren erhaltenen Krystalle werden rasch durch Pressen zwischen Flieſspapier und endlich durch kurzes Stehen über Schwefelsäure getrocknet. Beim längeren Stehen über Schwefelsäure verwittern dieselben, indem sie allmählich bis zu 20 Proc. an Gewicht verlieren.

Um Natriumdisulfid herzustellen, löst man in einer so erhaltenen Lösung von Monosulfid die erforderliche Menge Schwefel auf. Im Wasserbade löst sich der Schwefel bald auf und aus der in der Wärme dunkelbraunen, beim Erkalten heller werdenden Lösung scheiden sich beim Erkalten schwefelgelbe, in strahligen Drusen gruppirte Krystalle aus. Dieselben wurden zuerst durch Pressen zwischen Flieſspapier und dann durch Stehen über Schwefelsäure getrocknet. Sie verwittern über Schwefelsäure nicht; ihre Zusammensetzung entspricht der Formel Na2S2.5H2O.

Natriumtrisulfid, in entsprechender Weise hergestellt, gibt bei – 10° dunkelgoldgelbe Krystalle von Na2S3.3H2O.

Natriumtetrasulfid, ebenfalls durch Lösen von Schwefel in Natriummonosulfid erhalten, krystallisirte bei – 15° in orangerothen Krystallen von Na2S4.8H2O. Die Krystalle verwittern leicht über Schwefelsäure und verlieren schon bei 40° einen Theil des in ihnen enthaltenen Krystallwassers. Im Wasserstoffstrome bei 100° verlieren sie keinen Schwefel; bei höherer Temperatur entweicht aber ein Theil ihres Schwefelgehaltes als Schwefelwasserstoff.

In Natriummonosulfid, bereitet aus 183g einer 8,2 Proc. Natrium enthaltenden alkoholischen Natronlösung wurden die zur Bildung des Pentasulfides erforderlichen 42g Schwefel gelöst. Aus der Lösung schieden sich nach einigen Tagen bei Winterkälte Krystalle von Natriumtetrasulfid ab und erst, nachdem aus der Mutterlauge derselben die Hälfte des Alkoholes durch Abdestilliren entfernt war, wurden bei einer durchschnittlichen Temperatur von – 5° dunkel orangegelbe Krystalle des Pentasulfides erhalten, für welches die Analyse die Zusammensetzung Na2S5.8H2O ergab. Das Natriumpentasulfid verliert bereits bei 100° im Wasserstoffstrome einen Theil seines Schwefels; bei höherer Temperatur tritt vollständige Zersetzung ein, unter Entwickelung von Schwefelwasserstoff. Es vermag, wie schon Berzelius bemerkt, überschüssigen Schwefel aufzulösen, welcher sich beim Erkalten in kleinen Krystallen wieder ausscheidet.

Ueber Wachsuntersuchungen.

Zur Bestimmung des Molekulargewichtes und der Atomigkeit höherer Fettalkohole wird die Probe nach C. Hell (Liebig's Annalen, 1884 Bd. 223 * S. 269) mit Natronkalk erhitzt und die Menge des nach folgender Zersetzungsgleichung entwickelten Wasserstoffes gemessen: R.CH2OH + NaOH = R.COOR + 2H2.

H. Stürcke (daselbst S. 283) hat mit Benutzung dieses Verfahrens die Bestandtheile