Text-Bild-Ansicht Band 253

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werden alle Theile der zu färbenden Stoffe in alle Schichten der Flüssigkeit gebracht und somit eine gleiche Durchfärbung erzielt. Dieses Verfahren, welches dieselben Ziele wie das Obermaier sehe Verfahren zu erreichen sucht, scheint vor Allem zum Färben von Kammzug berechnet zu sein und dürfte sich zu diesem Zwecke an Stelle der bisherigen Behandlung, da die Einrichtungen dazu leicht zu treffen sind, empfehlen.

Ueber das Kanarin.

Das Einwirkungsproduct von Chlor oder Brom auf Schwefelcyanwasserstoffsäure wird heute von Durand und Huguenin in Basel als gelber Farbstoff unter dem Namen Kanarin in den Handel gebracht.

Prochoroff und O. Miller geben nach dem Sitzungsbericht des Comité de Chimie de Mulhouse, April 1884, folgende Vorschrift zu seiner Darstellung: Man mischt 370cc Schwefelsäure, 660cc Salzsäure und 1380cc Wasser und trägt in diese Flüssigkeit nach und nach ein inniges Gemenge von 1k Rhodankalium und 500g chlorsaurem Kalium ein, indem man Sorge trägt, die Temperatur nicht über 60° steigen zu lassen. Oder aber man löst 1k Rhodankalium in 1l Wasser, fügt 20cc Salzsäure oder Bromwasserstoffsäure zu und trägt in diese Lösung in kleinen Antheilen und unter Abkühlen 1k Brom ein. – Unter Gasentwickelung scheidet sich ein orangefarbiger Niederschlag ab, dessen Gewicht ungefähr 40 Procent des angewendeten Schwefelcyankaliums beträgt. Mit Wasser gewaschen, bildet er das rohe Kanarin. Durch Lösen in kaustischem Kali und Vermischen mit Alkohol erhält man daraus eine Kalium Verbindung, welche, mit Salzsäure zersetzt, das reine Kanarin liefert. Bei 100° getrocknet, ist letzteres ein rothbraunes stark glänzendes Pulver, unlöslich in Wasser, Alkohol und Aether, löslich in concentrirter Schwefelsäure und Kalilauge.

Nach der Ansicht H. Schmid's (vgl. 1884 251 41) sowie des Comité de Chimie in Mülhausen wäre das Kanarin nichts anderes als Persulfocyan; wenigstens beschreiben die Lehrbücher als Haupteinwirkungsproduct von Chlor, Salpetersäure und anderen oxydirenden Mitteln auf HCNS nur diesen gelben Körper von der Formel C3HN3S3. O. Miller hält die Nichtidentität des Kanarins mit dem Persulfocyan aufrecht, ohne indeſs analytische Belege zu liefern. Nach ihm löst sich ersteres in concentrirter Schwefelsäure unter Entwicklung von Schwefligsäure, was Persulfocyan nicht thun soll.

Ueber die Anwendung des Persulfocyans in der Druckerei durch Entstehenlassen desselben auf der Faser selbst hat H. Schmid eingehende Angaben gemacht (vgl. 1884 251 42). Um das fertige Persulfocyan des Handels, d.h. das Kanarin, in der Färberei zu verwenden, verfahren Prochoroff und O. Miller in folgender Weise: Man löst 1 Th. Kanarin