Text-Bild-Ansicht Band 253

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in dieser vor, wobei zu berücksichtigen ist, wie schwierig es ist, eine dem Roheisen-Abstiche genau entsprechende Durchschnittsprobe der Schlacke zu gewinnen. So wurde wiederholt das Eisen aus der Schmelzung einer eigens untersuchten Beschickung auf Phosphor geprüft:

I II III IV
In der Beschickung auf 100 Eisen 3,235 3,235 3,25 3,25
Ab Phosphor in der Schlacke 0,24 0,07 0,33 0,225
––––– ––––– –––– –––––
Bleibt 2,995 3,165 2,92 3,025
Gefunden 2,76 2,74 3,18 3,41

Die Phosphorsäure kommt bekanntlich vorwiegend als Eisen- oder Calciumphosphat in den Hochofen und, da hier die Gegenwart von Eisen selbst die Reduction der erdbasischen Phosphate mittels Kohle herbeiführt, so ist anzunehmen, daß sämmtliche reducirte Phosphorsäure nur deshalb reducirt wird, weil der Phosphor ein so großes Vereinigungsbestreben zum Eisen besitzt, daß also sämmtliche reducirte Phosphorsäure Phosphoreisen bildet und keine Phosphorsäure reducirt wird, welche freien Phosphor bilden könnte.

Nun hat Finkener (1883 249 264) zwar gezeigt, daſs 3 basisch phosphorsaures Eisenoxydul in einem Strome von Wasserstoffgas erst bei heller Rothglut Wasserdampf, bei Weiſsglut auch Phosphorwasserstoff und Phosphor entwickelt, und man könnte meinen, daſs der mit dem Winde in den Hochofen tretende Wasserdampf, in Kohlenoxyd und Wasserstoff zerlegt, hier eine ähnliche Reaction bewirken könnte. Indessen ist zunächst dagegen zu halten, daſs dieser so sehr verdünnte Wasserstoff schwerlich dieselbe Wirkung auf verhältniſsmäſsig nur spärlich vorhandenes (3 basisches) phosphorsaures Eisenoxydul haben kann. Es spricht aber gegen die Verflüchtigung von Phosphor überhaupt die Thatsache, daſs Phosphor mit Kohlensäure schon in Rothglut zu Phosphorsäure verbrennt.

Beim Erblasen von hoch Phosphor haltigem Roheisen wurden folgende Resultate gewonnen:

Roheisen Schlacke
Nr. Silicium Phosphor Mangan Kohlenstoff Phosphor
1 Spur 5,96 0,92 0,88 2,57
2 Spur 7,20 0,36 1,11 2,39
3 0,02 6,24 0,51 0,95 1,74
4 0,06 6,07 0,75 1,19 1,22
5
6
7
0,09
0,28
0,28
4,57
3,61
3,79
1,98
1,69
1,13
0,90
1,19
1,12
0,38
0,18
0,19
Uebergang zu weniger
Phosphor haltiger Be-
schickung.

Diese sowie 23 weitere Analysen zeigen, daſs bei zunehmendem Phosphorgehalte der Beschickung der der Schlacke zunimmt, und zwar enthält diese den Phosphor als nicht reducirte Phosphorsäure. Dem entsprechend gibt die Lösung der Schlacke in Brom und Salzsäure oder in rauchender Salpetersäure stets dieselben Phosphormengen als Salzsäure allein. Sind gelegentlich von anderer Seite anscheinend widersprechende Resultate gefunden, so dürften diese auf Phosphor haltige Eisentheilchen zurückzuführen sein. Die Phosphorsäure bleibt auch um so mehr in der Schlacke, je weniger Reductionsmittel vorhanden bezieh. je niedriger die Temperatur ist. Diese Thatsache, die wohl Jedem von einem kleinen Rohgange her bekannt ist, bildete bekanntlich die Grundlage der Rennarbeit der Alten. Die obigen Schlackenanalysen beziehen sich aber auf einen durchaus normalen warmen Ofengang. Anscheinend kann auch die als Eisenphosphat in den Hochofen gebrachte Phosphorsäure in Berührung mit Kalk schon in Rothglut Calciumphosphat bilden, dessen Reduction durch Kohlenstoff nur bei Berührung mit metallischem Eisen in hoher Temperatur gelingt, in welchen die Calciumphosphate bereits verschlackt sind.

Wenn man obige Analysen über Phosphoreisen von sieben hinter einander folgenden Abstichen beachtet, so muſs, da das Eisen mit einem verhältniſsmäſsig hohen Kokeszusatz erblasen wurde, der geringe Gehalt an Silicium und Kohlenstoff auffallen. Fernere Analysen von 23 hinter einander liegenden Abstichen von Phosphoreisen bewegen sich zwischen den Grenzen: