Text-Bild-Ansicht Band 253

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Ueber die Zersetzung Stickstoff haltiger Düngemittel.

Bei der Fäulniſs Stickstoff haltiger organischer Stoffe findet bekanntlich ein Verlust an Stickstoff statt und zwar durch Entbindung von freiem, gasförmigem Stickstoff. A. Morgen berichtet in den Landwirthschaftlichen Versuchsstationen, 1884 Bd. 30 S. 200, daſs ein Zusatz von Gyps zwar in den meisten Fällen, aber nicht überall vermindernd auf diesen Stickstoffverlust bei der Fäulniſs von Blut, Knochenmehl oder Hornmehl wirkt. Ein Zusatz von Boden vermochte in keinem Falle den Stickstoffverlust zu beseitigen; im Gegentheile wurde der Verlust durch den Zusatz von Boden bis um das 4fache vergröſsert. Nur bei dem Knochenmehle zeigte sich bei Zusatz von Ackererde eine Verminderung, jedoch nicht vollständige Aufhebung des Verlustes. Die Menge des bei der Fäulniſs gebildeten Ammoniaks steht in gewisser Beziehung zu dem Stickstoffverluste. Je gröſser der Verlust, um so gröſser war auch die Menge des gebildeten Ammoniaks. Ein Zusatz von Kainit vermochte beim Hornmehle den Stickstoffverlust zu vermindern, und zwar waren 10 Proc. Kainit zur vollständigen Beseitigung des Verlustes ausreichend. Ueberall, wo gröſsere Verluste an Stickstoff stattgefunden hatten, zeigte die gefaulte Masse eine alkalische oder neutrale Reaction, während in den Fällen, wo der Verlust nur gering war oder gar nicht beobachtet wurde, die Reaction eine schwach saure war.

Dietzel fand, daſs bei der Fäulniſs Salpetrigsäure und zwar in freiem Zustande auftritt, und führt den Stickstoffverlust auf die bekannte Umsetzung der Salpetrigsäure mit Ammoniak und Amiden unter Entbindung von freiem gasförmigem Stickstoff zurück. Es ist klar, vorausgesetzt, daſs diese Beobachtung sich bestätigt, daſs die Salpetrigsäure nur durch Oxydation entstehen kann und daſs demnach, wie dies auch schon andere Forscher vermuthet haben, Oxydationsprozesse als die erste Ursache des Stickstoffverlustes anzusehen sind. Nehmen wir dies als erwiesen an, so ist es aber verständlich, daſs der Stickstoffverlust um so gröſser wird sein müssen, je gröſser die Porosität der faulenden Masse ist, sowie daſs derselbe von dem Feuchtigkeitsgrade der Masse abhängt.

Verfahren zur Herstellung von Superphosphat.

Zur Herstellung von Superphosphaten mit wechselndem Phosphorsäuregehalt aus den Schlacken des basischen Eisenprozesses und aus natürlichen Phosphaten werden nach R. Schliwa in Dortmund (D. R. P. Kl. 16 Nr. 27 924 vom 17. November 1883) diese gröblich gepulverten Rohstoffe mit so viel Schwefelsäure gemischt, daſs deren gesammte Phosphorsäure in wasserlöslicher Form frei wird. Die Masse wird nun mit wenig Wasser ausgelaugt und die verdünnte Phosphorsäure vom Rückstande getrennt. Aus demselben wird Eisen und Mangan durch Behandlung mit Königswasser und Auswaschen der Chlorverbindungen mit Wasser entfernt. Die nunmehr von Eisen und Mangan freie Masse wird, je nachdem man ein höher- oder minder hochprocentiges Superphosphat herzustellen beabsichtigt, mit der vorhin gewonnenen Phosphorsäure wieder gemischt und getrocknet.

Zur Kenntniſs des Kümmelöles.

Nach F. A. Flückiger (Archiv der Pharmacie, 1884 Bd. 222 S. 361) hat das Carvol von H. Hänsel in Pirna ein specifisches Gewicht 0,960 bei 18,75°, siedet bei 224° und zeigt im Wild'schen Polaristrobometer bei einer Säulenlänge von 50mm eine Ablenkung nach rechts um 29,1° bei 18,5° Temperatur, während völlig reines Carvol um 29,4° nach rechts dreht (vgl. 1883 249 393), Carven aber um 53° bei einer Temperatur von 20°. Carven siedet bei 174° und hat 0,849 sp. G. bei 15°, mit Wasser von gleicher Temperatur verglichen. Werden 5 Th. Carven nach und nach mit 1 Th. Schwefelsäure von 1,55 sp. G. vermischt und dann mit Wasser gemischt, so erhält man ein polymerisirtes Carven als syrupartige Flüssigkeit, welche die Polarisationsebene nicht mehr dreht. Schüttelt man das Carven kürzere Zeit mit geringeren Mengen jener Schwefelsäure, so nimmt es einen etwas feineren Geruch an, welcher sogar einigermaſsen an Citronenöl erinnert. Schon das unveränderte Carven besitzt durchaus nicht