Text-Bild-Ansicht Band 253

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bis 1874 auf durchschnittlich 205t herab.1) Von 1874 an ist dieselbe gestiegen bis auf 275t, also fast um ein Drittel der früheren Leistung. Dieses Mehr im Vereine mit der fortgesetzten Zunahme der Förderung (Fig. 1) und der Zunahme der Arbeiterzahl (Fig. 6) legt Zeugniſs ab von der Energie, mit welcher die Techniker des Bergbaues, unterstützt durch die Maschinentechnik, an der Hebung des Kohlenbergbaues im letzten Jahrzehnte gearbeitet haben.

Trotzdem bleibt noch Manches zu thun. Namentlich gilt dies gegenüber den zahlreichen Unfällen, welche sich im Steinkohlenbergbaue ereignen. Der Linienzug Fig. 7 zeigt das Wachsen der Verunglückungen mit tödtlichem Ausgange und Fig. 8, welche die Anzahl der tödtlich Verunglückten auf 1000 Arbeiter, also pro Mille darstellt, läſst erkennen, mit welcher Beharrlichkeit der Tod seine Opfer fordert. Es schwankt die Anzahl der tödtlich Verletzten während der 16 Jahre, für welche die Darstellung gilt, um 3 pro Mille auf und nieder. Summirt man die bei Ausübung ihres Berufes getödteten Kohlenbergleute während der genannten Zeit, so ergibt sich die Zahl 6796, d.h. die Beschaffung der Steinkohlen allein kostete im preuſsischen Staate in den J. 1867 bis 1882 gegen 6800 gewaltsam vernichtete Menschenleben, also bedeutend mehr als das Doppelte des Verlustes, welchen die deutschen Armeen in der Schlacht bei Sedan an Todten, tödtlich Verwundeten und Vermiſsten erlitten. Dazu kommt dann noch die weit gröſsere Zahl derjenigen, welche durch die Unfälle zwar nicht getödtet wurden, aber solche Verletzungen erfuhren, daſs sie dauernd oder vorübergehend erwerbsunfähig wurden. Die Anzahl derselben beträgt etwa vier Mal mehr, wobei solche Verletzte, welche weniger als einen Monat erwerbsunfähig wurden, nicht mitgerechnet sind. Nicht bloſs die Verteidigung des Vaterlandes, die Aufrechterhaltung der nationalen Selbstständigkeit fordert Menschenleben; auch die Schaffung und Aufrechterhaltung des nationalen Wohlstandes, die blühende Industrie verlangt solche in ganz bedeutender Anzahl. Der Vortragende gedachte hierbei der Rückwirkung dieser Verhältnisse auf die Anforderungen, welche an die den Betrieb leitenden Techniker und damit auch an die Erziehung der letzteren zu stellen sind.

Im Kohlenbergbaue wie in der Eisenindustrie steht Deutschland auf dem Continente oben an (voran gehen überhaupt nur Groſsbritannien und die Vereinigten Staaten Nordamerikas).

Eisenindustrie. Im Linienzuge Fig. 9, welche die Jahreserzeugung an Roheisen der im preuſsischen Staate gelegenen Werke zur Anschauung bringt, zeigt sich deutlich der Einfluſs der wirthschaftlichen Krisis durch rasches Abfallen im J. 1874. Aber schon von 1876 an wächst die Production

1)

Es liegt nahe, dieses Zurückgehen der Leistung einem Erschlaffen der Arbeiter zuzuschreiben. Dem gegenüber ist darauf hinzuweisen, daſs nach 1870 die Arbeiterzahl rasch vergröſsert wurde. Unter den Neueingestellten werden sich Viele befunden haben, welche Lehrlinge waren.