Text-Bild-Ansicht Band 253

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wieder bedeutend und zwar derart, daſs dieselbe im J. 1882 mehr als das Doppelte wie in dem als normal anzusehenden Jahre 1869 beträgt. Noch viel entschiedener markirt sich die Krankheit der wirthschaftlichen Verhältnisse, wenn die Jahreserzeugung nicht dem Gewichte nach, sondern wie in Fig. 10 in Mark ausgedrückt wird. Obgleich die heutige Production fast doppelt so groſs ist wie 1873, so erreicht deren jetziger Geldwerth doch noch lange nicht die Summe, welche sich für 1873 ergibt. Dies wird begreiflich durch einen Blick auf die Curve Fig. 11, welche die Durchschnittspreise der Tonne Roheisen darstellt und die auch erkennen läſst, daſs heute 1t Roheisen weit billiger verkauft wird als in den 60er Jahren. Das Steigen des Verdienstes der Arbeiter deutet der Linienzug Fig. 12 (Jahreslohn) an. Nimmt man hierzu die Erfolge, welche die deutsche Eisenindustrie – also nicht bloſs die Roheisendarstellung – sonst zu verzeichnen hat, namentlich auch in Bezug auf die Qualität der Erzeugnisse, so bedingt dies volle Anerkennung für die in der Eisenindustrie thätigen Kräfte.

Im Anschlüsse an die Eisenindustrie wurde kurz des Maschinenbaues gedacht. Der beste Gasmotor, welcher besteht, ist ein Erzeugniſs des deutschen Maschinenbaues im verflossenen Jahrzehnte. Während früher die Reichsregierung Panzer- überhaupt Kriegsschiffe vom Auslande beziehen muſste, lassen jetzt fremde Nationen Kriegsschiffe in Deutschland bauen. Greift man selbst eine der bekanntesten Maschinenanlagen heraus, die uns alltäglich entgegentritt, so finden sich seit einem Jahrzehnte Fortschritte, die geradezu überraschend sind. Zu Anfang der 70er Jahre galt die Leistung einer Pferdestärke mit 2k guter Steinkohle für die Stunde als auſserordentlich befriedigend. Im J. 1877 baute – um ein Beispiel aus der württembergischen Industrie anzuführen – die Maschinenfabrik von G. Kuhn in Stuttgart-Berg die Maschinenanlage für die Wasserversorgung Eſslingens und leistete die Pferdestärke mit 1k,4 Steinkohle, im J. 1881 die Maschinenanlage für das Wasserwerk Darmstadt (vgl. 1882 245 350) und brauchte bei derselben für die Pferdestärke nur 1k,15 Steinkohle; im J. 1882 wurde die Maschinenanlage der neuen Wasserversorgung Stuttgarts vollendet (vgl. 1882 246 445) und durch diese 1 Pferdestärke mit 0k,91 Steinkohle geleistet. Aehnliche Resultate hat auch die Maschinenfabrik der Gebrüder Decker und Comp. (jetzt Maschinenfabrik Eſslingen) u.a. zu verzeichnen. Welche Bedeutung solche Fortschritte für ein Land wie Württemberg haben, in welchem jährlich 10 bis 11 Mill. Mark für Kohlen (einschlieſslich Fracht) zu verausgaben sind, springt in die Augen.

Die deutsche Rübenzuckerindustrie ist die erste der Welt geworden. Der Linienzug Fig. 13 gibt die Zunahme der Production (nach Angaben des Zuckerfabrik-Direktors L. Franke); diese steigt von 186 Mill. Kilogramm im J. 1871/72 auf 850 Mill. Kilogramm im J. 1882/83 bei fallendem Verkaufspreise, wie Curve Fig. 14 erkennen läſst. Bis 1875