Text-Bild-Ansicht Band 253

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wird weniger Zucker in Deutschland erzeugt, als verzehrt; die Einfuhr Fig. 15 überwiegt die Ausfuhr Fig. 16. Erst von 1875 an ändert sich dieses Verhältniſs, in eine geradezu groſsartige Zunahme der Ausfuhr übergehend. Allerdings wirkt hier die Ausfuhrvergütung ein; aber es darf nicht auſser Acht bleiben, daſs diese erst wirksam werden konnte, nachdem die Fabrikation bedeutende Vervollkommnungen erfahren hatte. Die Rückwirkung dieser Entwickelung auf die Landwirthschaft liegt klar zu Tage.

Hieran schlössen sich Mittheilungen über den groſsartigen Aufschwung der deutschen Papierfabrikation, über welche nähere Belegzahlen vorgeführt wurden.

Von einer Erörterung des künstlerischen Gewerbfleiſses war abgesehen worden, da dessen bedeutsame Fortschritte wohl allgemein zur Genüge gewürdigt und Ziffern hier schwer zu beschaffen sind.

Im letzten Theile des Vortrages hob der Redner zunächst hervor, wie mit der Anerkennung, welche auszusprechen gewesen, durchaus nicht gesagt sein solle, daſs wir nicht noch sehr viel zu verbessern, nicht noch viel Neues zu schaffen hätten; es solle auch nicht unerwähnt bleiben, daſs die Verhältnisse für das Kleingewerbe im Allgemeinen nicht so günstig liegen. Frage man nach den Gründen dieser Erscheinung, so seien es zum Theile unabänderliche, zum Theile sehr wohl zu beseitigende Ursachen. Zu den letzteren müsse namentlich die Fernhaltung tüchtiger Kräfte von dem Kleingewerbe, die Scheu vor physischer Arbeit, das Drängen der heranwachsenden Generation zum Studiren, zu den gelehrten Berufen gezählt werden. Als ob ein tüchtiger Kleinindustrieller nicht ein ebenso werthvolles Glied der menschlichen Gesellschaft sei, nicht ebenso befriedigt von seiner Thätigkeit durch das Leben gehen könne – und darauf komme es an – als ein Professor, ein Jurist, ein Kaufmann u. dgl. Diese Frage sei für unsere Verhältnisse in Deutschland von gröſster Bedeutung.

Sodann bemerkte der Vortragende, wie er sich bei Vorführung des Bildes der industriellen Entwickelung nicht habe verhehlen können, daſs vielleicht der eine und der andere der Zuhörer noch etwas vermissen werde, nämlich den Nachweis dafür, daſs die gemachten Fortschritte nicht auf Kosten des Magens der Arbeiterbevölkerung vor sich gegangen seien. Diesen Nachweis wolle er noch in der Art liefern, daſs er den industriellsten Theil Deutschlands, das Königreich Sachsen, herausgreife und zeige, daſs sich hier thatsächlich das Wohlbefinden, der Wohlstand der groſsen Masse der Bevölkerung nicht bloſs nicht erniedrigt, sondern wesentlich gehoben habe.

Der Linienzug Fig. 17 stellt den Fleischverbrauch der sächsischen Bevölkerung auf den Kopf dar, vom J. 1840 beginnend bis 1881. Wie ersichtlich, ist derselbe von 1870 an bedeutend gestiegen und zwar fortdauernd, mit Ausnahme des J. 1877. Der Fleischverbrauch auf den