Text-Bild-Ansicht Band 253

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und in Spenglerwerkstätten sich ergebenden Abfälle, welche 5 bis 9 Proc. Zinn enthalten, unbenutzt. Es scheint dies darin begründet zu sein, daſs die vorgeschlagenen Methoden, insbesondere diejenigen, welche auf die Gewinnung des Zinnes als Metall hinzielen, an besondere mitunter kostspielige Apparate geknüpft sind, welche die Verwerthung der Abfälle nur unter besonderen örtlichen Verhältnissen, z.B. in gröſseren Fabriken von Conservenbüchsen u. dgl., lohnend erscheinen lassen, da die Abfälle für den Transport zu voluminös sind. (1cbm soll, lose aufgeschüttet, gegen 50k wiegen.) Weit häufiger findet man die Verwendung der Weiſsblechabfälle zur Darstellung von Zinnpräparaten, namentlich von zinnsaurem Natron, wozu das schon lange bekannte Verfahren: Behandlung derselben mit einer Lösung von Bleioxyd (Glätte) in Natronlauge, am geeignetsten ist und jüngst wieder von F. Reinecken (1883 249 * 29) empfohlen wurde. Die von dem ausgeschiedenen Bleischlamme abgezogene Lauge wird entweder direkt zur Erzeugung von zinnsaurem Natron eingedampft, oder durch Einleiten von Kohlensäure Zinnoxydhydrat gefällt, welches zur Darstellung von Zinnchlorid oder Pinksalz dient. In letzterem Falle erhält man als Nebenproduct eine verhältniſsmäſsig geringwertige Sodalösung.

Allerdings nur auf Laboratoriumsversuche im Kleinen gestützt, schlage ich hiermit ein Verfahren vor, welches sich als noch einfacher erweisen dürfte und darauf beruht, daſs durch Erhitzen der Weiſsblechabfälle mit concentrirter Natronlauge und Braunstein ebenfalls eine fast vollständige Entzinnung derselben bewirkt wird und daſs aus der gewonnenen Lösung von zinnsaurem Natron durch Neutralisation mit Essigsäure alles Zinnoxyd herausfällt, wobei ein werthvolleres und gangbares Nebenproduct, nämlich essigsaures Natron, erhalten wird. Die Entzinnung der Weiſsblechabfälle wäre demnach seitens der Fabriken von Essigsäure bezieh. essigsauren Salzen in die Hand zu nehmen.

Die durch Blechscheren entsprechend zerkleinerten Abfälle werden in eisernen Kesseln mit concentrirter Natronlauge und gemahlenem Braunstein durch längere Zeit gekocht und schlieſslich die Masse vollständig bis zum Teige eingedampft. Die durch Hinzufügen von Wasser erhaltene und nach vollständiger Klärung abgezogene oder filtrirte Lösung wird mit Essigsäure gerade bis zum Eintritte der sauren Reaction versetzt und zum Kochen gebracht, wobei sich sämmtliches Zinnoxyd ausscheidet.

Eine weitere Verwerthung der Weiſsblechabfälle betrifft ihre Verwendung zur Erzeugung eines Berlinerblau von besonderer Schönheit und Lebhaftigkeit der Farbe. Bekanntlich ist auch das auf der Faser erzeugte Berlinerblau viel brillanter (Napoleonsblau), wenn der dabei verwendeten Eisenbeize Zinnsalz zugesetzt wurde. Es rührt dies nicht, wie dies mitunter1) angenommen wird, bloſs von nachher ausfallendem Zinnsäurehydrat

1)

Vgl. z.B. Muspratt's technische Chemie, 3. Auflage, Bd. 2 S. 1317.